{"id":14104,"date":"2021-12-16T17:30:58","date_gmt":"2021-12-16T16:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/uberschreiten-der-grenze\/"},"modified":"2025-01-02T14:51:08","modified_gmt":"2025-01-02T13:51:08","slug":"uberschreiten-der-grenze","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/uberschreiten-der-grenze\/","title":{"rendered":"\u00dcberschreiten der Grenze"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Das Wort &#8218;Krieg&#8216; war uns Grenzkavalleristen zwar gel\u00e4ufig. Jeder wusste haarklein, was er zu tun und zu lassen hatte. Keiner hatte aber so eine rechte Vorstellung, was sich nun zun\u00e4chst abspielen w\u00fcrde. Jeder aktive Soldat war selig, nun endlich seine Pers\u00f6nlichkeit und sein K\u00f6nnen zeigen zu d\u00fcrfen. Uns jungen Kavallerieleutnants war wohl die interessanteste T\u00e4tigkeit zugedacht: aufkl\u00e4ren, in den R\u00fccken des Feindes gelangen, wichtige Anlagen zerst\u00f6ren; alles Aufgaben; die einen ganzen Kerl verlangen. Meinen Auftrag in der Tasche, von dessen Wichtigkeit ich mich durch langes Studium schon seit einem Jahre \u00fcberzeugt hatte, ritt ich nachts um zw\u00f6lf Uhr an der Spitze meiner Patrouille zum erstenmal gegen den Feind.Die Grenze bildete ein Fluss, und ich konnte erwarten, dass ich dort zum erstenmal Feuer bekommen w\u00fcrde. Ich war ganz erstaunt, wie ich ohne Zwischenfall die Br\u00fccke passieren konnte. Ohne weitere Ereignisse erreichten wir den mir von Grenzritten her wohlbekannten Kirchturm des Dorfes Kielcze am n\u00e4chsten Morgen. Ohne von einem Gegner etwas gemerkt zu haben oder vielmehr besser ohne selbst bemerkt worden zu sein, war alles verlaufen. Wie sollte ich es anstellen, dass much die Dorfbewohner nicht bemerkten? Mein erster Gedanke war, den Popen hinter Schloss und Riegel zu setzen. So holten wir den volkommen \u00fcberraschten und h\u00f6chst verdutzten Mann aus seinem Hause. Ich sperrte ihn zun\u00e4chst mal auf dem Kirchturm ins Glockenhaus ein, nahm die Leiter weg und liess ihn oben sitzen. Ich versicherte ihm, dass wenn auch nur das geringste feindselige Verhalten der Bev\u00f6lkerung sich bemerkbar machen sollte, er sofort ein Kind des Todes sein w\u00fcrde. Ein Posten hielt Ausschau vom Turm und beobachtete die Gegend. Ich hatte t\u00e4glich durch Patrouillenreiter Meldungen zu schicken. So l\u00f6ste sich bald mein kleines H\u00e4uflein an Meldereitern auf, so dass ich schliesslich den letzten Melderitt als \u00fcberbringer selbst \u00fcbernehmen musste. Bis zur f\u00fcnften Nacht war alles ruhig geblieben. In dieser kam pl\u00f6tzlich der Posten zu mir zum Kirchturm gelaufen &#8211; den in dessen N\u00e4he hatte ich meine Pferde hingestellt &#8211; und rief mir zu: &#8222;Kosaken sind da!&#8220;. Es war pechfinster, etwas Regen, keine Sterne. Man sah die Hand nicht vor den Augen. Wir F\u00fchrten die Pferde durch eine schon vorher vorsichtshalber durch die Kirchhofsmauer geschlagene Bresche auf das freie Feld. Dort war man infolge der Dunkelheit nach f\u00fcnfzig Metern in volst\u00e4ndiger Sicherheit. Ich selbst ging mit dem Posten, den Karabiner in der Hand, nach bezeichneten Stelle, wo die Kosaken sein sollten. Ich schlich an der Kirchhofsmauer entlang und kam an die Strasse. Da wurde mir doch etwas anders zumute, denn der ganze Dorfausgang wimmelte von Kosaken. Ich guckte \u00fcber die Mauer, hinter der die Kerle ihre Pferde stehen hatten. Die meisten hatten Blendlaternen und benahmen sich sehr unvorsichtig und laut. Ich sch\u00e4tzte sie auf etwa zwanzig bis dreissig. Einer war abgesessen und zum Popen gegangen, den ich am Tage vorher aus der Haft entlassen hatte. Nat\u00fcrlich Verrat! zuckte es mir durchs Gehirn. Also doppelt aufpassen. Auf einen Kampf konnte ich es nicht mehr ankommen lassen, denn mehr als zwei Karabiner hatte ich nicht zur Verf\u00fcgung. Also spielte ich &#8218;R\u00e4uber und Gendarm&#8216;. Nach einegen Stunden Rast ritten die Besucher wieder von dannen. Am n\u00e4chsten Morgen zog ich es vor, jetzt aber doch einen kleinen Quartierwechsel vorzunehmen. Am siebenten Tage war ich wieder in meiner Garnison und wurde von jedem Menschen angestarrt, als sei ich ein Gespenst. Das kam nicht etwa wegen meines unrasierten Gesichts, sondern vielmehr weil sich Ger\u00fcchte verbreitert hatten, Wedel und ich seien bei Kalisch gefallen. Man wusste Ort, Zeit und n\u00e4here Umst\u00e4nde so haargenau zu erz\u00e4hlen, dass sich das Ger\u00fccht schon in ganz Schlesien verbreitet hatte. Selbst meiner Mutter hatte man bereits Kondolenzbesuche gemacht. Es fehlte nur noch, dass eine Todesanzeige in der Zeitung stand. Eine komische Geschichte ereignete sich zur selben Zeit. Ein Pferdedoktor bekam den Auftrag, mit zehn Ulanen Pferde aus einem Geh\u00f6ft zu requirieren. Es lag etwas abseits, etwa drei Kilometer. Ganz erregt kam er von seinem Auftrag zur\u00fcck und berichtete selber folgendes: &#8222;Ich reite \u00fcber ein Stoppelfeld, auf dem die Puppen stehen, worauf ich pl\u00f6tzlich in einiger Entfernung feindliche Infanterie erkenne. Kurz entschlossen ziehe ich den S\u00e4bel, rufe meinen Ulanen zu: &#8222;Lanze gef\u00e4llt, zur Attacke, marsch, marsch, hurra! Den Leuten macht es Spass, es beginnt ein wildes Hetzen \u00fcber die Stoppeln. Die feindliche Infanterie entpuppt sich aber als ein Rudel Rehe, die ich in meiner Kurzsichtigkeit verkannt habe.&#8220; Noch lange hatte der t\u00fcchtige Herr unter seiner Attacke zu leiden.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[222],"source-language":[260],"source-id-tax":[293],"class_list":["post-14104","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-relocation-trips-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-der-rote-kampfflieger-von-rittmeister-manfred-freiherrn-von-richthofen-1917-351-000-400-000-verlag-ullstein-co-berlin-wien-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u00dcberschreiten der Grenze - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/uberschreiten-der-grenze\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u00dcberschreiten der Grenze - 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