{"id":13804,"date":"2021-12-16T17:31:01","date_gmt":"2021-12-16T16:31:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/schafers-notlandung-zwischen-den-linien\/"},"modified":"2025-03-06T10:44:07","modified_gmt":"2025-03-06T09:44:07","slug":"schafers-notlandung-zwischen-den-linien","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/schafers-notlandung-zwischen-den-linien\/","title":{"rendered":"Sch\u00e4fers Notlandung zwischen den Linien"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Sch\u00e4fers Notlandung zwischen den Linien Am Abend des 20. April machen wir einen Jagdflug, kommen sehr sp\u00e4t nach Hause und haben Sch\u00e4fer unterwegs verloren. Nat\u00fcrlich hofft jeder, da\u00df er vor Dunkelheit noch den Platz erreicht. Es wird Neun, es wird Zehn, Sch\u00e4fer kommt nicht. Benzin kann er nicht mehr haben, folglich ist er irgendwo notgelandet. Da\u00df einer abgeschossen ist, will man sich nie zugeben. Keiner wagt es in den Mund zu nehmen, aber jeder f\u00fcrchtet es im stillen. Das Telephonnetz wird in Bewegung gesetzt, um zu ermitteln, wo ein Flieger gelandet ist. Kein Mensch kann uns Auskunft geben. Keine Division, keine Brigade will ihn gesehen haben. Ein ungem\u00fctlicher Zustand. Schlie\u00dflich gehen wir schlafen. Wir waren alle fest \u00fcberzeugt, er w\u00fcrde sich noch einfinden. Nachts um Zwei werde ich pl\u00f6tzlich geweckt. Die Telephonordonnanz teilt mir strahlend mit: \u00bbSch\u00e4fer befindet sich im Dorf Y und bittet um Abholung.\u00ab Am n\u00e4chsten Morgen zum Fr\u00fchst\u00fcck \u00f6ffnet sich die T\u00fcr, und mein braver Pilot steht in so verdrecktem Anzug vor mir, wie ihn der Infanterist nach vierzehn Tagen Arras-Schlacht am Leibe hat. Gro\u00dfes Hallo! Sch\u00e4fer ist quietschvergn\u00fcgt und [140]mu\u00df seine Erlebnisse zum besten geben. Er hat einen B\u00e4renhunger. Nachdem er gefr\u00fchst\u00fcckt hat, erz\u00e4hlt er uns folgendes: \u00bbIch fliege nach Hause an der Front entlang und sehe in ganz niedriger H\u00f6he dr\u00fcben scheinbar einen Infanterieflieger. Ich greife ihn an, schie\u00dfe ihn ab und will wieder zur\u00fcckfliegen, da nehmen mich die Engl\u00e4nder unten aus den Sch\u00fctzengr\u00e4ben m\u00e4chtig vor und beknallen mich ganz unheimlich. Meine Rettung war nat\u00fcrlich die Geschwindigkeit des Flugzeugs, denn da\u00df sie beim Schie\u00dfen vorhalten m\u00fcssen, daran denken die Kerle nat\u00fcrlich nicht. Ich war vielleicht noch zweihundert Meter hoch, aber ich mu\u00df doch versichern, da\u00df ich gewisse K\u00f6rperteile m\u00e4chtig angespannt habe, aus erkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden. Mit einem Male gibt es einen Schlag, und mein Motor bleibt stehen. Also landen. Komme ich noch \u00fcber die feindlichen Linien, oder komme ich nicht? Das war sehr die Frage. Die Engl\u00e4nder haben es bemerkt und fangen wie wahnsinnig an zu schie\u00dfen. Jetzt h\u00f6re ich jeden einzelnen Schu\u00df, denn mein Motor l\u00e4uft nicht mehr, der Propeller steht still. Eine peinliche Situation. Ich komme herunter, lande, meine Maschine steht noch nicht, da werde ich aus einer Hecke des Dorfes Monchy bei Arras ganz kolossal mit Maschinengewehrfeuer beschossen. Die Kugeln klatschen nur so in meine Maschine herein. Ich \u2019raus aus der [141]Kiste und in das n\u00e4chste Granatloch \u2019rein, war eins. Dort besann ich mich mal erst, wo ich mich befinde. So allm\u00e4hlich wird mir klar, da\u00df ich \u00fcber die Linien \u2019r\u00fcber bin, aber noch verdammt nahe bei ihnen. Gott sei Dank ist es etwas sp\u00e4t abends. Das ist meine Rettung. Es dauert nicht lange, da kommen die ersten Granaten an. Nat\u00fcrlich sind es Gasgranaten, und eine Maske hatte ich selbstverst\u00e4ndlich nicht mit. Also mir fingen die Augen ganz erb\u00e4rmlich an zu tr\u00e4nen. Die Engl\u00e4nder schossen sich vor Dunkelheit auch noch mit Maschinengewehren auf meine Landungsstelle ein, ein Maschinengewehr offenbar auf mein Flugzeug, das andere auf meinen Granattrichter. Die Kugeln klatschten oben immer dagegen. Ich steckte mir daraufhin, um meine Nerven zu beruhigen, erst mal eine Zigarette an, ziehe mir meinen dicken Pelz aus und mache mich zum Sprung auf! Marsch, marsch! bereit. Jede Minute erscheint eine Stunde. Allm\u00e4hlich wurde es dunkel, aber nur ganz allm\u00e4hlich. Um mich herum locken die Rebh\u00fchner. Als J\u00e4ger erkannte ich, da\u00df die H\u00fchner ganz friedlich und vertraut waren, also war keine Gefahr, da\u00df ich in meinem Versteck \u00fcberrascht wurde. Schlie\u00dflich wurde es immer finsterer. Auf einmal geht ganz in meiner N\u00e4he ein P\u00e4rchen Rebh\u00fchner hoch, gleich darauf ein zweites, und ich [142]erkannte daraus, da\u00df Gefahr im Anzuge war. Offenbar war es eine Patrouille, die mir Guten Abend sagen wollte. Nun wird\u2019s die h\u00f6chste Zeit, da\u00df ich mich aus dem Staube mache. Erst ganz vorsichtig auf dem Bauche kriechend, von Granatloch zu Granatloch. Ich komme nach etwa anderthalb Stunden eifrigen Kriechens an die ersten Menschen. Sind es Engl\u00e4nder, oder sind es Deutsche? Sie kommen heran, und beinahe w\u00e4re ich den Musketieren um den Hals gesprungen, als ich sie erkannte. Es war eine Schleichpatrouille, die sich im neutralen Zwischengel\u00e4nde herumtreibt. Einer der Leute f\u00fchrte mich zu seinem Kompagnief\u00fchrer, und hier erfuhr ich denn, da\u00df ich am Abend zuvor etwa f\u00fcnfzig Schritte vor der feindlichen Linie gelandet sei und unsere Infanterie mich bereits aufgegeben hatte. Ich nahm mal erst ein ordentliches Abendbrot zu mir und trete dann den R\u00fcckmarsch an. Hinten wurde viel mehr geschossen als vorn. Jeder Weg, jeder Ann\u00e4herungsgraben, jedes Geb\u00fcsch, jeder Hohlweg, alles lag unter feindlichem Feuer. Am n\u00e4chsten Morgen griffen die Engl\u00e4nder an, sie mu\u00dften also heute abend ihre Artillerievorbereitung beginnen. Ich hatte mir also einen ung\u00fcnstigen Tag f\u00fcr mein Unternehmen ausgesucht. Erst gegen zwei Uhr morgens erreichte ich das erste Telephon und konnte mich mit meiner Staffel in Verbindung setzen.\u00ab [143]Wir waren alle gl\u00fccklich, unseren Sch\u00e4fer wieder zu haben. Er legte sich ins Bett. Jeder andere h\u00e4tte mal f\u00fcr die n\u00e4chsten vierundzwanzig Stunden auf den Genu\u00df des Jagdfliegens verzichtet. Mein Sch\u00e4fer attackierte aber bereits am Nachmittag desselben Tages wiederum \u00fcber Monchy einen ganz tieffliegenden B. 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