{"id":13657,"date":"2021-12-16T17:31:02","date_gmt":"2021-12-16T16:31:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/der-auerochs\/"},"modified":"2025-03-21T10:02:46","modified_gmt":"2025-03-21T09:02:46","slug":"der-auerochs","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/der-auerochs\/","title":{"rendered":"Der Auerochs"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der Auerochs. Der F\u00fcrst Ple\u00df hatte mir gelegentlich eines Besuches im Hauptquartier erlaubt, bei ihm auf seiner Jagd ein Wisent abzuschie\u00dfen. Der Wisent ist das, was im Volksmund mit Auerochse bezeichnet wird. Auerochsen sind ausgestorben. Der Wisent ist auf dem besten Wege, das gleiche zu tun. Auf der ganzen Erde gibt es nur noch zwei Stellen, und das ist in Ple\u00df und beim Revier des ehemaligen Zaren im Bialowiczer Forst. Der Bialowiczer Forst hat nat\u00fcrlich durch den Krieg kolossal gelitten. So manchen braven Wisent, den sonst nur hohe F\u00fcrstlichkeiten und der Zar abgeschossen h\u00e4tten, hat sich ein Musketier zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt. Mir war also durch die G\u00fcte Seiner Durchlaucht der Abschu\u00df eines so seltenen Tieres erlaubt worden. In etwa einem Menschenalter gibt es diese Tiere nicht mehr, da sind sie ausgerottet. Ich kam am Nachmittag des 26. Mai in Ple\u00df an und mu\u00dfte gleich vom Bahnhof losfahren, um den Stier noch am selben Abend zu erlegen. Wir fuhren die ber\u00fchmte Stra\u00dfe durch den Riesenwildpark des F\u00fcrsten entlang, auf der wohl manche gekr\u00f6nte H\u00e4upter vor mir entlang gefahren sind. Nach etwa einer Stunde stiegen wir aus und hatten nun noch eine halbe Stunde zu laufen, um [177]auf meinen Stand zu kommen, w\u00e4hrend die Treiber bereits aufgestellt waren, um auf das gegebene Zeichen mit dem Dr\u00fccken zu beginnen. Ich stand auf der Kanzel, auf der, wie mir der Oberwildmeister berichtete, bereits mehrmals Majest\u00e4t gestanden hat, um so manchen Wisent von da aus zur Strecke zu bringen. Wir warten eine ganze Zeit. Da pl\u00f6tzlich sah ich im hohen Stangenholz ein riesiges schwarzes Unget\u00fcm sich heranw\u00e4lzen, genau auf mich zu. Ich sah es noch eher als der F\u00f6rster, machte mich schu\u00dffertig und mu\u00df sagen, da\u00df ich doch etwas Jagdfieber kriegte. Es war ein m\u00e4chtiger Stier. Auf zweihundertf\u00fcnfzig Schritt verhoffte er noch einen Augenblick. Es war mir zu weit, um zu schie\u00dfen. Getroffen h\u00e4tte man ja vielleicht das Unget\u00fcm, weil man eben an so einem Riesending \u00fcberhaupt nicht vorbeischie\u00dfen kann. Aber die Nachsuche w\u00e4re doch eine unangenehme Sache gewesen. Au\u00dferdem die Blamage, vorbeizuschie\u00dfen. Also warte ich lieber, da\u00df er mir n\u00e4her kommt. Er mochte wohl wieder die Treiber gesp\u00fcrt haben, denn mit einem Male machte er eine ganz kurze Wendung und kam in windender Fahrt, die man so einem Tiere nie zugetraut h\u00e4tte, heran, genau spitz auf mich zu. Schlecht zum Schie\u00dfen. Da verschwand er hinter einer Gruppe von dichten Fichten. Ich h\u00f6rte ihn noch schnaufen und stampfen. Sehen konnte ich ihn nicht mehr. Ob er Wind von mir [178]bekommen hatte oder nicht, wei\u00df ich nicht. Jedenfalls war er weg. Noch einmal sah ich ihn auf eine gro\u00dfe Entfernung, dann war er verschwunden. War es der ungewohnte Anblick eines solchen Tieres oder wer wei\u00df was \u2013 jedenfalls hatte ich in dem Augenblick, wo der Stier herankam, dasselbe Gef\u00fchl, dasselbe Jagdfieber, das mich ergreift, wenn ich im Flugzeug sitze, einen Engl\u00e4nder sehe und ihn noch etwa f\u00fcnf Minuten lang anfliegen mu\u00df, um an ihn heranzukommen. Nur mit dem einen Unterschied, da\u00df sich der Engl\u00e4nder wehrt. H\u00e4tte ich nicht auf einer so hohen Kanzel gestanden, wer wei\u00df, ob da nicht noch andere moralische Gef\u00fchle mitgespielt h\u00e4tten? Es dauerte nicht lange, da kommt der zweite. Auch ein m\u00e4chtiger Kerl. Er macht es mir sehr viel leichter. Auf etwa hundert Schritt verhofft er und zeigt mir sein ganzes Blatt. Der erste Schu\u00df traf, er zeichnet. Ich hatte ihm einen guten Blattschu\u00df verpa\u00dft. Hindenburg hatte mir einen Monat vorher gesagt: \u00bbNehmen Sie sich recht viel Patronen mit. Ich habe auf meinen ein halbes Dutzend verbraucht, denn so ein Kerl stirbt ja nicht. Das Herz sitzt ihm so tief, da\u00df man meistenteils vorbeischie\u00dft.\u00ab Und es stimmte. Das Herz, trotzdem ich ja genau wu\u00dfte, wo es sa\u00df, hatte ich nicht getroffen. Ich repetierte. Der zweite Schu\u00df, der dritte, da bleibt er stehen, schwerkrank. Vielleicht auf f\u00fcnfzig Schritt vor mir. [179]F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter war das Unget\u00fcm verendet. Die Jagd wurde abgebrochen und \u00bbHirsch tot\u00ab geblasen. Alle drei Kugeln sa\u00dfen ihm dicht \u00fcberm Herzen, sehr gut Blatt. Wir fuhren nun an dem sch\u00f6nen Jagdhaus des F\u00fcrsten vorbei und noch eine Weile durch den Wildpark, in dem allj\u00e4hrlich zu der Brunstzeit die G\u00e4ste des F\u00fcrsten ihren Rothirsch usw. erlegen. Wir hielten noch und sahen uns das Innere des Hauses im Promnitz an. Auf einer Halbinsel gelegen, mit wundersch\u00f6nem Blick, auf f\u00fcnf Kilometer Entfernung kein menschliches Wesen. Man hat nicht mehr das Gef\u00fchl, in einem Wildpark zu sein, wie man sich wohl im allgemeinen vorstellt, wenn man von der F\u00fcrstlich Ple\u00dfschen Jagd spricht. Vierhunderttausend Morgen Gatter sind eben kein Wildpark mehr. Da gibt es kapitale Hirsche, die nie ein Mensch gesehen hat, die kein F\u00f6rster kennt, und die gelegentlich in der Brunstzeit erlegt werden. Man kann wochenlang laufen, um ein Wisenttier zu Gesicht zu bekommen. In manchen Jahreszeiten ist es ausgeschlossen, sie \u00fcberhaupt zu sehen. Dann sind sie so heimlich, da\u00df sie sich in den Riesenw\u00e4ldern und unendlichen Dickichten vollst\u00e4ndig verkriechen. Wir sahen noch manchen Hirsch im Bast und manchen guten Bock. Nach etwa zwei Stunden kamen wir kurz vor Dunkelheit wieder in Ple\u00df an.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[222],"source-language":[260],"source-id-tax":[293],"class_list":["post-13657","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-relocation-trips-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-der-rote-kampfflieger-von-rittmeister-manfred-freiherrn-von-richthofen-1917-351-000-400-000-verlag-ullstein-co-berlin-wien-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der Auerochs - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/der-auerochs\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der Auerochs - 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