{"id":13528,"date":"2021-12-16T17:31:04","date_gmt":"2021-12-16T16:31:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/kriegesausbruch-und-reise-von-zoppot-to-swidnica\/"},"modified":"2025-03-31T11:40:50","modified_gmt":"2025-03-31T10:40:50","slug":"kriegesausbruch-und-reise-von-zoppot-to-swidnica","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/kriegesausbruch-und-reise-von-zoppot-to-swidnica\/","title":{"rendered":"Kriegesausbruch und Reise von Zoppot to Schweidnitz."},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Es war ein Sommertag, so sch\u00f6n er sein konnte. Starke Sonne lag \u00fcber dem Wasser. Von der Terrasse des Strandhotels, \u00fcber die brennendroten Geranien hinweg, blickten wir auf das tiefblaue Meer. Unsere Augen folgten den Seglern, die wie weisse Schatten vor\u00fcberglitten. Der Wind trug die Kl\u00e4nge der Kurkapelle heran. Wir waren sehr schweigsam geworden. Ich fand mich in einer seltsam beklemmenden Stimmung, wie an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Gewiss, da waren die schlanken Gestalten der beiden Kriegssch\u00fcler vor mir, ihre knabenhaften, gebr\u00e4unten Gesichter unter der helleren Stirn, in denen doch schon fr\u00fche M\u00e4nnlichkeit lag &#8211; da war Ilses helle, bl\u00fchende Erscheinung in sommerlichen Weiss; aber auch ihre herzhafte, immer lachende Munterkeit was verstummt &#8211; da auf dem Stuhl, der dicht an den Tisch gezogen war, sa\u00df Bolko, der Jungste, und hatte den Nutzung davon, da\u00df wir Erwachsene nicht von der Torte und dem Kuchen a\u00dfen&#8230;Ich nahm dieses Bild in mich auf und blickte wieder aufs Wasser, \u00fcber dem die schmalen Segel schwankten, und in den Glast des Himmels und dachte, es k\u00f6nne nicht sein, da\u00df dieses Bild tr\u00fcgerisch ist und da\u00df es sich ausl\u00f6fen w\u00fcrde in nichts vor dem, das jetzt kam, vor dem Gro\u00dfen Unbekannten, das sich, keiner w\u00fc\u00dfte wie, durch aller Mund ank\u00fcndigte: Krieg&#8230;! Gottfried, der Neffe, blickte geradeaus, k\u00fchl und sachlich, als st\u00e4nde er beim Appell. Er sagte ganz unerwartet: &#8222;Zwei Paar wollene Str\u00fcmpfe mu\u00df man mitnehmen&#8220;, und er nannte dies und das genau nach der Vorschrift, was zur Ausr\u00fcstung geh\u00f6rte, wenn ein junger Soldat ins Feld zieht. Dieser kindhafte soldatische Eifer machte mich l\u00e4cheln bei all dem Zwiespalt meiner Gef\u00fchle. Ich suchte in meines Sohnes Mienen zu lesen, Lothar aber wandte das schmale Gesicht mit den sehr dunklen Brauen, die \u00fcber der Nase zusammengewachsen waren. Er mochte jetzt nicht sprechen, nur in seinen bronzefarbenen Augen blickte zuweilen etwas auf von der starken Erregung, die in ihm arbeitete. Sicherlich war sein ganzes Wesen erfa\u00dft, das sonst zur Lebensfreude geschaffen schien. Aber er blickte weg, er wollte nicht, da\u00df ich sah, was er empfand und dachte. Einzig Bolko &#8211; blonde, rosige, Kindheit in einem wei\u00dfen Matrosenanzug &#8211; fuhr fort, von den Leckereien zu schmausen, die ihm diese Stunde bescherte, bei dem das Gro\u00dfe Unbekannte uns alles abr\u00e4umte, was vorher an Genu\u00df und Sorglosigkeit gewesen war&#8230;Sollten wir abreisen? Manche Badeg\u00e4ste hatten schon &#8211; wie es schien, in unn\u00f6tiger Eile &#8211; Zoppot verlassen. Auch f\u00fcr uns war ein Entschlu\u00df n\u00f6tig, ich f\u00fchlte das. Wenn einer jetzt raten k\u00f6nnte! &#8222;Du solltest Manfred Fragen.&#8220; Lothar hatte es gesagt. Und gewi\u00df, er hatte recht. Ich sah das ruhige, fast gleichm\u00fctige Gesicht meines \u00c4ltesten vor mir. Ich sp\u00fcrte die Sicherheit, die von ihm ausging. Ich erinnerte mich, wie sehr es mir Bed\u00fcrfnis geworden war, qlle Dinge von Wichtigkeit mit ihm zu bereden, und wie er stets mit einer Vernunft, die mit seiner Jugend kaum in Einklang stand, auch in schwierigen Fragen das Wesentliche zu sagen und zu raten wu\u00dfte. &#8222;Telegrafiere ihm doch!&#8220; Lothar hatte recht, zumal Manfred bei der detachierten Schwadron an der Grenze stand, in Ostrowo, und am ehesten Wind von den Ereignissen haben mu\u00dfte. Ich schrieb einige Worte auf ein Blatt und gab das Telegramm zur Bef\u00f6rderung. Die beiden jungen Soldaten tauschten einen Blick und erhoben sich gleichzeitig. Die Stunde der Trennung war da. Wir gingen aud die Strandpromenade. Viele Menschen waren dort, und ihre Mienen waren ver\u00e4ndert. Eine fiebrige, aufs h\u00f6chste gespannte Erwartung vibrierte in ihnen. War es das Gro\u00dfe Unbekannte? Ein tiefes Summen, wie ich es vorher nie geh\u00f6rt hatte, ging durch alle hin. Die Kapelle strahlte in patriotischen Liedern. Immer wieder wurde sie augerufen, davon zu spielen. Es war schwer, sich dieser Stimmung zu entziehen. Mit genauer M\u00fche gelangten wir ins Hotel. Da traf schon Manfreds Antwort ein:&#8220;Rate Euch umgebend abzureisen.&#8220; Nun war alles klar, wir packten. Das Telefon ging. Lothars Stimme meldete sich aus Danzig. Und nun das: &#8222;Lebewohl&#8230;auf Wiedersehen&#8230;liebe Mutter&#8230;&#8220; Lange noch schwangen diese Worte in mir nach. Am Freitag, dem 31. 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