{"id":13339,"date":"2021-12-16T17:31:06","date_gmt":"2021-12-16T16:31:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/urlaub\/"},"modified":"2025-09-24T09:12:29","modified_gmt":"2025-09-24T08:12:29","slug":"urlaub","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/urlaub\/","title":{"rendered":"Urlaub"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Es ist noch fr\u00fchn das Haus schl\u00e4ft, die bittere K\u00e4lte l\u00e4\u00dft im Bette wohl sein. Ich glaube ein Klingeln geh\u00f6rt zu haben. Ich mache Licht, die Uhr zeigt auf sieben Uhr morgens. Da wird die T\u00fcr schnell ge\u00f6ffnet, und Manfred steht vor meinem Nett, frisch und froh, keine Spur von M\u00fcfigkeit nach der langen Nachtfahrt. Der blaue Stern glitzert an seinem Halse &#8211; der Pour le m\u00e9rite. Ich fasse seine Hand, spreche, wie wenn ich den Knaben lobte: &#8222;Bravo, das hast du gut gemacht, Manfred.&#8220; Und frage: &#8222;Wie bist du denn hereingekommen? War das Gartentor schon offen?&#8220; Nein, das war es nicht, aber das tat nichts. Der Ritter des Ordens pour le m\u00e9rite war \u00fcber den Zaun gestiegen. Schnellstens erscheinen wir beim Fr\u00fchst\u00fcck, zum Morgenkaffee. Keine Kriegsbr\u00fche, bitte! Eine Handvoll Kaffeebohnen wird noch zusammengekratzt. Sie waren f\u00fcr einen besonders festlichen Anla\u00df aufgespart. Diese Stunde ist jetzt da. Ein unersch\u00f6pfliches Fragen und Erz\u00e4hlen hebt an. Da\u00df man Manfred gar keine M\u00fcdigkeit anmerkt! Er sieht so frisch aus wie selten. Ich beobachte ihn mit Stolz. Sein Gesicht, scheint mir, ist noch geschlossener geworden. Ein Willensgesicht. Aber der liebensw\u00fcrdige, gutgeschnittene Mund hat noch seinen Charme. &#8222;Wo bist du gewesen, Manfred?&#8220; &#8211; Eine umst\u00e4ndliche, wenig erfreuliche Sache. Es ist in letzter Zeit \u00f6fter vorgekommen, da\u00df den deutschen Fliegern in der Luft die Tragfl\u00e4chen weggebrochen sind. Er wollte in Berlin bei der zust\u00e4ndigen Stelle auf diesen Konstruktionsfehler aufmerksam machen. (Oder war es vielleicht Materialschw\u00e4che?) Manfred erz\u00e4hlte, wir h\u00f6rten gespannt zu. &#8222;Le petit rouge&#8220; nennen die Feinde sein Flugzeug, weil er es leuchtend rot angestrichen hatte. Ich fand das leichtsinnig, er aber meinte: &#8222;Man kann sich in der Luft doch nicht unsichtbar machen, und so erkennen mich wenigstens die Unseren.&#8220; Im Augenblick kam mir ein sch\u00f6nes Bild. Trug nicht einst auch Dietrich von Bern einen feuerroten Schild? Und verband man nicht die Vorstellung von Mut und Kraft damit? Als der Abend kam, wurde es erst recht gem\u00fctlich. Das Thermometer drau\u00dfen zeigte 23 Grad K\u00e4lte. Die Zimmer im Hause waren nur m\u00e4\u00dfig warm, aber der gro\u00dfe Roksofen im O\u00dftzimmer spendete behagliche W\u00e4rme. So setzten wir uns denn im Kreise um ihn herum und lauschten unserem Lufthelden mit ungeteilter Aufmerksamkeit, mochte der Uhrzeiger auch langsam auf Mitternacht r\u00fccken. Was Manfred in seiner schlichten, einfachen Art berichtete, war wie das Hohelied des Jagdfliegers. Einsamer Stolz und Ritterlichkeit &#8211; auch bei den englischen Gegern; wie denn jener Major Hawker, der britische Immelmann, im tollen Wirbel des Kampfes Manfred noch gr\u00fc\u00dfend zuwinkte und l\u00e4chelte, ehe ihn die Maschinengewehrgarbe aus der Luft ri\u00df. Das war Haltung, die Alt-Englands w\u00fcrdig war und die von einem sch\u00f6nen Geist des Royal Flying Corps zeugte. Weniger gefiel mir dagegen das Verhalten jenes achtzehnten Gegners, den Manfred bezwang, ehe ihm die eine Tragfl\u00e4che brach. Er scho\u00df das englische Flugzeug schwer an, gab aber den beiden Insassen Pardon und begn\u00fcgte sich damit, sie zur Notlandung zu zwingen. Dann hatte er das Pech mit seiner Maschine und kam gerade noch im langsamen Gleitflug herunter. Als er sich nach der Landung mit den beiden Gefangenen unterhielt, sagten sie aus, sie w\u00fcrden beim Landen noch auf ihn geschossen haben, wenn sie nicht Ladehemmung gehabt h\u00e4tten\u2026 Der brave Ofen meint es wirklich gut. Er h\u00e4lt uns fest mit seiner W\u00e4rme. Der Wind geht ums Haus. Wir trinken noch eine Tasse Tee; eine Schale mit R\u00fcssen steht auf dem Tisch. Manfred hat eine Berliner Zeitung hervorgeholt, mit dem Datum von gestern, und reicht sie uns. Da steht zu lesen, da\u00df er seinen neunzehnten Gegner abscho\u00df. Eine sp\u00e4te \u00dbberraschung, kurz vor Mitternacht. Ich kann es mir nicht versagen, eine Frage zu stellen, die vielleicht nicht recht \u00fcberlegt war. &#8222;Warum setzt du dein Leben in dieser eise t\u00e4glich aufs Spiel? Warum tust du das, Manfred?&#8220; Er sieht mich gro\u00df an; Ernst steht auf seinem Gesicht geschrieben. &#8222;F\u00fcr den Mann im Sch\u00fctzengraben&#8220;, sagt er schlicht. &#8222;Ich will ihm sein hartes Los erleichtern, ihm feindliche Flieger fernhalten.&#8220; Und er spricht nun von dem einfachen Soldaten vorn im Graben, von der gro\u00dfen, heldenhaften Passion des Unbekannten mit seinem entsagungsvollen K\u00e4mpfen und Sterben. Seine Worte sind zwingend, sie machen uns sehend. Der graue Bruder in der Erde steigt ans Licht. Die vielen, die kein Heeresbericht mit Namen nennt. Wir blicken in ihre erdfarbenen Gesichter, die so voller Runen sind, wie es Tage im Kriege gibt. Der Rauch der Materialschlacht geht \u00fcber sie hin, das Grollen der Gesch\u00fctze ist wie eingewachsen in ihren Ohren\u2026F\u00fcr einen Augenblick aber ist ein Ger\u00e4usch st\u00e4rker als das Tofen der Artillerie, es schwillt an und rauscht wie eine Orgel und rei\u00dft ihre K\u00f6pfe nach oben &#8211; ein deutscher Jagdflieger, der eben noch im \u00c4lterblau kreiste und einen Gegner im Feuerrauch zur Erde schickte, schie\u00dft \u00fcber die vordesten Stellungen. Blutrot ist sein Rumpf. Er streicht tief \u00fcber den deutschen Graben &#8211; ein brausender Gru\u00df euch da unten! &#8211; ehe er sich wieder, ein leuchtender Pfeil, gegen die blaue Scheibe des Himmels wirft und entschwindet. Die aber unten, auf ihren Sch\u00fctzenb\u00e4nken, hinter ihren Sands\u00e4cken und Brustwehren folgen dem roten Flieger mit den Augen, solange sie k\u00f6nnen, auf ihren halbge\u00f6ffneten Lippen noch der Schrei der Begeisterung\u2026 Ich verstand in dieser Nacht, was das Wesen des Kampffliegers ausmacht und was diese jungen Leute, die kaum dem J\u00fcnglingsalter entwachsen waren, bef\u00e4higte, Leistungen zu vollbringen, die den Tod zum Schemen machten.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[222],"source-language":[260],"source-id-tax":[323],"class_list":["post-13339","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-relocation-trips-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-die-erinnerungen-der-mutter-des-roten-kampffliegers-kunigunde-freifrau-von-richthofen-im-verlag-ullstein-berlin-1937-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.7 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Urlaub - 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Er sieht so frisch aus wie selten. Ich beobachte ihn mit Stolz. Sein Gesicht, scheint mir, ist noch geschlossener geworden. Ein Willensgesicht. Aber der liebensw\u00fcrdige, gutgeschnittene Mund hat noch seinen Charme. \"Wo bist du gewesen, Manfred?\" - Eine umst\u00e4ndliche, wenig erfreuliche Sache. Es ist in letzter Zeit \u00f6fter vorgekommen, da\u00df den deutschen Fliegern in der Luft die Tragfl\u00e4chen weggebrochen sind. Er wollte in Berlin bei der zust\u00e4ndigen Stelle auf diesen Konstruktionsfehler aufmerksam machen. (Oder war es vielleicht Materialschw\u00e4che?) Manfred erz\u00e4hlte, wir h\u00f6rten gespannt zu. \"Le petit rouge\" nennen die Feinde sein Flugzeug, weil er es leuchtend rot angestrichen hatte. Ich fand das leichtsinnig, er aber meinte: \"Man kann sich in der Luft doch nicht unsichtbar machen, und so erkennen mich wenigstens die Unseren.\" Im Augenblick kam mir ein sch\u00f6nes Bild. Trug nicht einst auch Dietrich von Bern einen feuerroten Schild? 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