{"id":13285,"date":"2021-12-16T17:31:07","date_gmt":"2021-12-16T16:31:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/trauerfeier-fur-manfred\/"},"modified":"2025-05-07T11:19:07","modified_gmt":"2025-05-07T10:19:07","slug":"trauerfeier-fur-manfred","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/trauerfeier-fur-manfred\/","title":{"rendered":"Trauerfeier f\u00fcr Manfred"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wir sind nach Berlin gefahren, Albrecht, Ilse, Bolko und ich. In der Garnisonkirche soll eine Trauerfeier f\u00fcr Manfred stattfinden. Es ist der 2. Mai &#8211; und heute ist Manfreds Geburtstag! Um ein Uhr machte uns Exzellenz von Hoeppner, der Kommandierende der Luftstreitkr\u00e4fte, seinen Besuch. Ich fragte ihn nach vielem, was mir auf dem Herzen lag, zun\u00e4chst \u00fcber Manfreds Tod. Er glaubte mir bestimmt versichern zu k\u00f6nnen, da\u00df Manfred von der Erde aus einen Treffer bekommen hat. Er sagte: &#8222;Wir haben keinen Ersatz f\u00fcr Ihren Sohn in der ganzen Fliegertruppe.&#8220; Lothar ist aus D\u00fbsseldorf in Berlin eingetroffen. Wie elend und ver\u00e4ndert er aussieht, ich bemerkte es mit gro\u00dfem Schmerz. Er ist noch tief niedergeschlagen \u00fcber den Tod des geliebten und verehrten Bruders. Kurz vor vier Uhr fuhren wir in zwei Wagen nach der alten Garnisonkirche. In dichten Reihen bildete das Publikum Spalier. Feierlich erklangen die Glocken. Vor der Kirche empfing uns (in Vertretung des Kaisers) General Manfred von Richthofen, ein Vetter meines Mannes, Reitergeneral im Kriege, und Exzellenz von Hoeppner. Wir nahmen die f\u00fcr uns bestimmten Ehrenpl\u00e4tze ein. Der Altar vor uns ist mit schwarzem Tuch ausgeschlagen, nur das Christusbild in der Mitte ist frei geblieben. Auf vier umflorten Sockeln stehen bronzene Becken, aus denen lodernde Flammen aufz\u00fcngeln. Ein katasalkartiger Aufbau, dessen Mittelpunkt ein schwarzes Samtkissen mit Manfreds Orden bildet. Niemals hat er sie alle getragen, ich selbst sehe sie heute zum erstenmal. Oben aus der Mitte des Katafalks springen nach rechts und links die L\u00e4ufe von vier Maschinengewehren hervor.Unter dem Ordenskissen ist ein riesiger Kranz mit schwarzem Flor um einen zersplitterten Propeller geschlungen. Auf der rechten und linken Seite stehen, wie aus Erz gegossen, je acht Flieger in schwarzen Lederjacken und Sturzhelmen. Verdiente Unteroffiziere, jeder von ihnen hat das E.K. 1 und das Fliegerabzeichen. Rechts und links von dem Katafalk ist ebenfalls je ein Flieger postiert. W\u00e4hrend der ganzen Feier, die wohl \u00fcber eine Stunde dauerte, standen sie, ohne sich zu r\u00fchren, ohne mit einer Wimper zu zucken &#8211; in seiner Strenge ein unverge\u00dfliches Bild. Um vier Uhr erschien die Kaiserin nebst Prinz und Prinzessin Sigismund von Preu\u00dfen. Sie nahmen rechts von uns in der Loge Platz. Die Feier begann. Der Geistliche sprach, da\u00df die Leistungen und das Werk des Toten uns tr\u00f6\u00dften m\u00fcssen. Nicht das Sterben des gew\u00f6hnliches Lebens habe sich an ihn herangewagt, sondern der Tod in seiner ganzen heroischen Sch\u00f6nheit. Als die Glut des Farbenspiels am buntesten, as die Wucht der Handlungen am gewaltigsten war, da rauschte der Vorgang \u00fcber dieses Leben nieder. Nur ein Dichter k\u00f6nne ihm gerecht werden. &#8222;Im Fr\u00fchling ist er dahingegangen &#8211; was ihm vorenthalten wurde, ist ein langer, hei\u00dfer Sommer und ein welkender Herbst.&#8220; Das Requiem von Brahms&#8230; Das sch\u00f6ne alte Kavallerie-Signal, die Retraite &#8211; wie ums Abendrot \u00fcber einsames Schlachtfeld hingeblasen&#8230; Ein Abschiedsgru\u00df dem jungen Reitersmann. * Eine leise, kaum vernehmbare Stimme sprach zu mir, bekundete mir ihr Beleid. Ich blickte in g\u00fctige Augen. Der Kaiserin Gesicht war m\u00fctterlich und tief bek\u00fcmmert. &#8222;Ich hatte gew\u00fcnscht, &#8222;sagte ich, &#8222;da\u00df Manfred seinem Vaterlande noch l\u00e4nger h\u00e4tte dienen k\u00f6nnen.&#8220; Die hohe Frau mickte still, ein Zug von Schmerz lag um ihren Mund, sie wu\u00dfte wohl, was Leid ist; das Schicksal hatte auch ihr viel zu tragen aufgegeben, auch sie kannte die Qualen durchwachter N\u00e4chte. Sie begann weiterzureden, immer noch mit leiser, schonender Stimme. Sie sprach von Manfreds Besuch in Homburg; ich erwiderte, wie begl\u00fcckt mein Sohn damals \u00fcber ihre Freundlichkeit gewesen sei. Sofort war diese Begebenheit in mir lebendig: Genau vor einem Jahr war es gewesen, an einem strahlenden Mai, an seinem Geburtstage, da sollte er sich der Kaiserin vorstellen. Der in zweiundf\u00fcnfzig K\u00e4mpfen Siegreiche flog in der alten Lederjacke, von der er sich im Felde niemals trennte, ins Gro\u00dfe Hauptquartier. Die Kaiserin nahm ihn gleich bei der Landung in Empfang, und als er Miene machte, sich wegen seiner Kleidung zu entschuldigen, streichelte sie das schmucklose Kleidungst\u00fcck und sagte: &#8222;Die gute Jacke &#8211; zweiundf\u00fcnfzig Luftsiege hat sie erlebt.&#8220; Es war nun wohl Zeit, zu gehen, wir wandten uns aus der Sakristei; da kam die Kaiserin, die sich mit meinem Kindern und Albrecht besch\u00e4ftigt hatte, nochmals auf mich zu. Noch einmal fanden sich unsere Augen, noch einmal dr\u00fcckte sie mir die Hand, und ich beugte mich herab und k\u00fc\u00dfte die ihrige. Wir fahren ins hotel zur\u00fcck. Viele Bekannte haben sich dort versammelt. Ich freue mich, als sich einige Herren von Manfreds Geschwader melden lassen. Wir sehen uns gegen\u00fcber. Ich mustere diese jungen ernsten Menschen, Manfreds Kameraden. Suche in ihren Gesichtern zu lesen, was auch in Manfreds Z\u00fcgen lag, das Fronterlebnis. Ein schmales, gutgeschnittenes Gesicht f\u00e4llt mir besonders auf. Der blutjunge Ulanenoffizier ist sehr erregt. Der Kummer arbeitet in seinen feinen, zarten Z\u00fcgen. Sein Name klingt an mein Ohr. Das also ist Hans Joachim Wolff, von dem Manfred mir so herzlich erz\u00e4hlte; der den sch\u00f6nen Brief an Lothar schrieb, als sein verehrter und bewunderter Rittmeister den Fliegertod gestorben war&#8230; &#8222;&#8230;ich besonders bin tief ungl\u00fccklich. Ich habe an ihm mehr verloren als nur das gro\u00dfe Vorbild, das er allen war. Ich habe ihn geliebt wie einen Vater. Ich war gl\u00fccklich, wenn ich mit ihm zusammen sein d\u00fcrfte&#8230;&#8220; Nun stand er vor mir, und es war so, da\u00df ich ihn tr\u00f6sten mu\u00dfte. Es war, als spr\u00e4che ich zu meinem eigenen Sohn. Er sagte, er h\u00e4tte immer eine besondere Verpflichtung in sich gesp\u00fcrt, \u00fcber das Leben seines gro\u00dfen Kommandeurs zu wachen, wie ein Schildtr\u00e4ger es tut. Aber in der Stunde, als das Unfa\u00dfliche geschah, w\u00e4re er selbst in einen Luftkampf verwickelt gewesen und h\u00e4tte seinen F\u00fchrer aus den Augen verloren&#8230;Jetzt mache er sich bittersten Vorw\u00fcrfe. Ich war ger\u00fchrt von so viel Liebe und Treue; ich schlo\u00df ihn in mein Herz. M\u00f6ge er seinen Eltern erhalten bleiben &#8211; er ist ihr einziges Kind. * Wir sprachen noch einiges. Ich war diesen jungen Menschen dankbar. Manfred lebte in ihnen. Sie trugen mir viel Tr\u00f6stliches zu. Manfred sei gl\u00fccklich, befriedigt gewesen; er sei bewundert, ja verg\u00f6ttert worden. Der Kaiser hatte beabsichtigt &#8211; so erz\u00e4hlen sie -, ihm nach seinem 80. Luftsieg des Eichenlaub zum Pour le M\u00e9rite zu verleihen und ein Handschreiben herauszugeben, worin ihm das Fliegen verboten werden sollte. Manfred hatte bereits Urlaub, sein Schlafwagenbillett lag schon auf seinem Tisch. Er war bei Herrn Vo\u00df in Freiburg, dem Vater des toten Lufthelden, zur Auerhahnjagd angesagt. Vorher war sein Besuch beim deutschen Kronprinzen angemeldet. Die Kameraden sagten auch aus, Manfred habe den Wunsch gehabt, s\u00e4mtlichen Geschwadern zur Verf\u00fcgung zu stehen; er wollte sich dann bei dieser oder jener Staffel ansagen und mit ihnen gegen den Feind fliegen. Die Herren erz\u00e4hlten ferner, wie sie sich gegenseitig ihre Best\u00fcrzung nicht eingestehen wollten, als ihr Kommandeur nicht wiederkam. Sie hofften, er sei irgendwo gelandet und w\u00fcrde pl\u00f6tzlich wieder da sein. Exzellenz von Hoeppner erg\u00e4nzte noch, Manfred habe nach seinem 63. Luftsieg gebeten, da\u00df man von nun an seine Siege der Staffel und nicht mehr ihm pers\u00f6nlich anrechnen m\u00f6chte; aber das habe man unter keinen Umst\u00e4nden getan. Eine m\u00fctterliche Freundin unseres Hauses hatte der Trauerfeier beigewohnt. Sie hatte Lothar ganz besonders in ihr Herz geschlossen &#8211; er sollte einst ihr Erbe sein. Tief bek\u00fcmmert \u00fcber Manfreds Tod und \u00fcber Lothars zweite Verwundung kam sie zu mir und bat mich, ich m\u00f6chte ein Gesuch einreichen, damit Lothar aufh\u00f6re zu fliegen. Ihre Sorge war von wahrhaft m\u00fctterlicher Liebe diktiert. Aber &#8211; hatten nicht Tausende von M\u00fcttern ihre S\u00f6hne geopfert wie ich &#8211; schwebten nicht aber Tausende in der gleichen bangen Sorge um die Lebenden?! Erst k\u00fcrzlich hatte eine meiner Bekannten binnen vier Wochen drei tapfere und bl\u00fchende S\u00f6hne verloren. Wir alle trugen das gleiche Los. Unsere S\u00f6hne beschirmten mit ihren Leibern, mit ihrem Blut die Heimat. Wer sollte da f\u00fcr sich eine Ausnahme beanspruchen?! Und vor allen Dingen &#8211; was w\u00fcrde Lothar selbst dazu sagen? Meine Blicke wanderten zu ihm hin\u00fcber. Ernst und gefa\u00dft sprach er, der den Schlag vielleicht am furchtbarsten empfand, mit seinen Kameraden. Lothar h\u00e4tte es einfach nicht getan, er h\u00e4tte einen solchen Schritt von mir nur als peinvoll empfunden. &#8211; Nein, das tat ich ihm nicht an. &#8222;So Gott will, wird Lothar leben&#8220;, erwiderte ich der treuen alten Freundin. So Gott will &#8211; &#8211; &#8211; Als ich den jungen Offizieren die Hand zum Abschied reichte, dankte ich noch einmal f\u00fcr diese Stunde. Sie hatte mir wohlgetan. Ich nahm das Bewu\u00dftsein mit, wie gl\u00fccklich Manfred in seinem tapferen Fliegerdasein gewesen war; wie er dieses Leben mit keinem auf der ganzen Welt h\u00e4tte tauschen m\u00f6gen. * Wir fuhren nach Schweidnitz zur\u00fcck; erst jetzt f\u00fchlte ich, wie stark die Nervenanspannung in den letzten Tagen gewesen war. Nun, da ich nicht mehr aller Augen auf mich gerichtet f\u00fchlte, mochte ich zusehen, wie ich mit mir selbst fertig wurde. Ich suchte die Einsamkeit und f\u00fcrchtete sie zugleich. Einmal stand Menzke vor mir. Er brachte seines toten Rittmeisters Sachen. Wir knieten an dem Koffer und sichteten und ordneten. Menzke konnte kaum sprechen vor Kummer. Ich sagte ihm, er solle sich zum Abschied etwas aussuchen. Der Gute w\u00e4hlte ein bescheidenes St\u00fcck von der Ausr\u00fcstung, die Manfred im Felde getragen hatte.&#8220;<\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[255],"source-language":[260],"source-id-tax":[323],"class_list":["post-13285","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-appointment-medals-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-die-erinnerungen-der-mutter-des-roten-kampffliegers-kunigunde-freifrau-von-richthofen-im-verlag-ullstein-berlin-1937-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Trauerfeier f\u00fcr Manfred - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/trauerfeier-fur-manfred\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Trauerfeier f\u00fcr Manfred - 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Um vier Uhr erschien die Kaiserin nebst Prinz und Prinzessin Sigismund von Preu\u00dfen. Sie nahmen rechts von uns in der Loge Platz. Die Feier begann. Der Geistliche sprach, da\u00df die Leistungen und das Werk des Toten uns tr\u00f6\u00dften m\u00fcssen. Nicht das Sterben des gew\u00f6hnliches Lebens habe sich an ihn herangewagt, sondern der Tod in seiner ganzen heroischen Sch\u00f6nheit. Als die Glut des Farbenspiels am buntesten, as die Wucht der Handlungen am gewaltigsten war, da rauschte der Vorgang \u00fcber dieses Leben nieder. Nur ein Dichter k\u00f6nne ihm gerecht werden. \"Im Fr\u00fchling ist er dahingegangen - was ihm vorenthalten wurde, ist ein langer, hei\u00dfer Sommer und ein welkender Herbst.\" Das Requiem von Brahms... Das sch\u00f6ne alte Kavallerie-Signal, die Retraite - wie ums Abendrot \u00fcber einsames Schlachtfeld hingeblasen... Ein Abschiedsgru\u00df dem jungen Reitersmann. * Eine leise, kaum vernehmbare Stimme sprach zu mir, bekundete mir ihr Beleid. 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Die Kaiserin nahm ihn gleich bei der Landung in Empfang, und als er Miene machte, sich wegen seiner Kleidung zu entschuldigen, streichelte sie das schmucklose Kleidungst\u00fcck und sagte: \"Die gute Jacke - zweiundf\u00fcnfzig Luftsiege hat sie erlebt.\" Es war nun wohl Zeit, zu gehen, wir wandten uns aus der Sakristei; da kam die Kaiserin, die sich mit meinem Kindern und Albrecht besch\u00e4ftigt hatte, nochmals auf mich zu. Noch einmal fanden sich unsere Augen, noch einmal dr\u00fcckte sie mir die Hand, und ich beugte mich herab und k\u00fc\u00dfte die ihrige. Wir fahren ins hotel zur\u00fcck. Viele Bekannte haben sich dort versammelt. Ich freue mich, als sich einige Herren von Manfreds Geschwader melden lassen. Wir sehen uns gegen\u00fcber. Ich mustere diese jungen ernsten Menschen, Manfreds Kameraden. Suche in ihren Gesichtern zu lesen, was auch in Manfreds Z\u00fcgen lag, das Fronterlebnis. Ein schmales, gutgeschnittenes Gesicht f\u00e4llt mir besonders auf. Der blutjunge Ulanenoffizier ist sehr erregt. Der Kummer arbeitet in seinen feinen, zarten Z\u00fcgen. Sein Name klingt an mein Ohr. Das also ist Hans Joachim Wolff, von dem Manfred mir so herzlich erz\u00e4hlte; der den sch\u00f6nen Brief an Lothar schrieb, als sein verehrter und bewunderter Rittmeister den Fliegertod gestorben war... \"...ich besonders bin tief ungl\u00fccklich. Ich habe an ihm mehr verloren als nur das gro\u00dfe Vorbild, das er allen war. Ich habe ihn geliebt wie einen Vater. Ich war gl\u00fccklich, wenn ich mit ihm zusammen sein d\u00fcrfte...\" Nun stand er vor mir, und es war so, da\u00df ich ihn tr\u00f6sten mu\u00dfte. Es war, als spr\u00e4che ich zu meinem eigenen Sohn. Er sagte, er h\u00e4tte immer eine besondere Verpflichtung in sich gesp\u00fcrt, \u00fcber das Leben seines gro\u00dfen Kommandeurs zu wachen, wie ein Schildtr\u00e4ger es tut. Aber in der Stunde, als das Unfa\u00dfliche geschah, w\u00e4re er selbst in einen Luftkampf verwickelt gewesen und h\u00e4tte seinen F\u00fchrer aus den Augen verloren...Jetzt mache er sich bittersten Vorw\u00fcrfe. Ich war ger\u00fchrt von so viel Liebe und Treue; ich schlo\u00df ihn in mein Herz. M\u00f6ge er seinen Eltern erhalten bleiben - er ist ihr einziges Kind. * Wir sprachen noch einiges. Ich war diesen jungen Menschen dankbar. Manfred lebte in ihnen. Sie trugen mir viel Tr\u00f6stliches zu. Manfred sei gl\u00fccklich, befriedigt gewesen; er sei bewundert, ja verg\u00f6ttert worden. Der Kaiser hatte beabsichtigt - so erz\u00e4hlen sie -, ihm nach seinem 80. Luftsieg des Eichenlaub zum Pour le M\u00e9rite zu verleihen und ein Handschreiben herauszugeben, worin ihm das Fliegen verboten werden sollte. Manfred hatte bereits Urlaub, sein Schlafwagenbillett lag schon auf seinem Tisch. Er war bei Herrn Vo\u00df in Freiburg, dem Vater des toten Lufthelden, zur Auerhahnjagd angesagt. Vorher war sein Besuch beim deutschen Kronprinzen angemeldet. Die Kameraden sagten auch aus, Manfred habe den Wunsch gehabt, s\u00e4mtlichen Geschwadern zur Verf\u00fcgung zu stehen; er wollte sich dann bei dieser oder jener Staffel ansagen und mit ihnen gegen den Feind fliegen. Die Herren erz\u00e4hlten ferner, wie sie sich gegenseitig ihre Best\u00fcrzung nicht eingestehen wollten, als ihr Kommandeur nicht wiederkam. Sie hofften, er sei irgendwo gelandet und w\u00fcrde pl\u00f6tzlich wieder da sein. Exzellenz von Hoeppner erg\u00e4nzte noch, Manfred habe nach seinem 63. Luftsieg gebeten, da\u00df man von nun an seine Siege der Staffel und nicht mehr ihm pers\u00f6nlich anrechnen m\u00f6chte; aber das habe man unter keinen Umst\u00e4nden getan. Eine m\u00fctterliche Freundin unseres Hauses hatte der Trauerfeier beigewohnt. Sie hatte Lothar ganz besonders in ihr Herz geschlossen - er sollte einst ihr Erbe sein. Tief bek\u00fcmmert \u00fcber Manfreds Tod und \u00fcber Lothars zweite Verwundung kam sie zu mir und bat mich, ich m\u00f6chte ein Gesuch einreichen, damit Lothar aufh\u00f6re zu fliegen. Ihre Sorge war von wahrhaft m\u00fctterlicher Liebe diktiert. Aber - hatten nicht Tausende von M\u00fcttern ihre S\u00f6hne geopfert wie ich - schwebten nicht aber Tausende in der gleichen bangen Sorge um die Lebenden?! Erst k\u00fcrzlich hatte eine meiner Bekannten binnen vier Wochen drei tapfere und bl\u00fchende S\u00f6hne verloren. Wir alle trugen das gleiche Los. Unsere S\u00f6hne beschirmten mit ihren Leibern, mit ihrem Blut die Heimat. Wer sollte da f\u00fcr sich eine Ausnahme beanspruchen?! Und vor allen Dingen - was w\u00fcrde Lothar selbst dazu sagen? Meine Blicke wanderten zu ihm hin\u00fcber. Ernst und gefa\u00dft sprach er, der den Schlag vielleicht am furchtbarsten empfand, mit seinen Kameraden. Lothar h\u00e4tte es einfach nicht getan, er h\u00e4tte einen solchen Schritt von mir nur als peinvoll empfunden. - Nein, das tat ich ihm nicht an. \"So Gott will, wird Lothar leben\", erwiderte ich der treuen alten Freundin. So Gott will - - - Als ich den jungen Offizieren die Hand zum Abschied reichte, dankte ich noch einmal f\u00fcr diese Stunde. Sie hatte mir wohlgetan. Ich nahm das Bewu\u00dftsein mit, wie gl\u00fccklich Manfred in seinem tapferen Fliegerdasein gewesen war; wie er dieses Leben mit keinem auf der ganzen Welt h\u00e4tte tauschen m\u00f6gen. * Wir fuhren nach Schweidnitz zur\u00fcck; erst jetzt f\u00fchlte ich, wie stark die Nervenanspannung in den letzten Tagen gewesen war. Nun, da ich nicht mehr aller Augen auf mich gerichtet f\u00fchlte, mochte ich zusehen, wie ich mit mir selbst fertig wurde. Ich suchte die Einsamkeit und f\u00fcrchtete sie zugleich. Einmal stand Menzke vor mir. Er brachte seines toten Rittmeisters Sachen. Wir knieten an dem Koffer und sichteten und ordneten. Menzke konnte kaum sprechen vor Kummer. Ich sagte ihm, er solle sich zum Abschied etwas aussuchen. Der Gute w\u00e4hlte ein bescheidenes St\u00fcck von der Ausr\u00fcstung, die Manfred im Felde getragen hatte.\""},"event-type-id":{"type":"numeric","raw":"1"},"source-id":{"type":"numeric","raw":"10"},"source-long-in-event":{"type":"textfield","raw":"Die Erinnerungen der Mutter des roten Kampffliegers Kunigunde Freifrau von Richthofen. 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