{"id":12676,"date":"2022-07-02T07:58:23","date_gmt":"2022-07-02T06:58:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/testimonial-of-emil-august-glogau\/"},"modified":"2025-06-22T12:37:13","modified_gmt":"2025-06-22T11:37:13","slug":"testimonial-of-emil-august-glogau","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/testimonial-of-emil-august-glogau\/","title":{"rendered":"Eine Begegnung. Von Emil August Glogau"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Als ich in den letzten Septembertagen im Morgenschnellzug von Frankfurt nach Berlin fuhr, sprang in Gotha ein junger Ulanenoffizier mit akrobatischer Elastizit\u00e4t in den abfahrenden Zug, warf seine Jagdflinte von der Schulter in das Gep\u00e4cknetz meines Abteils, zog den Mantelkragen \u00fcbers Kinn, lehnte sich in die Polster und war im n\u00e4chsten Augenblick fest eingeschlafen. Bei dem \u201efliegenden\u201c Bahnhofsbuchh\u00e4ndler hatte ich mir das soeben erschienene gelbe Ullsteinbuch \u201eDer rote Kampfflieger\u201c gekauft, aber gleichfalls in das Gep\u00e4cknetz zu meinen Butterbroten gelegt, weil mich der Schl\u00e4fer mir gegen\u00fcber mehr interessierte. Wie konnte nur ein eben noch im lebhaften Muskelspiel arbeitender K\u00f6rper, wie von einer Blitzhypnose getroffen, im tiefsten Ruhezustand ohne jedes Mienenvibration beharren? Wer kann seinen Willen so trainieren, da\u00df die Bewu\u00dftseinsgrenze willk\u00fcrlich und augenblicklich \u00fcberschritten werden kann? Der junge Mann da mu\u00df eine starke Energie haben, sagte ich mir, aber sein glattes Primanergesicht spricht dagegen. Hatte der blonde J\u00fcngling nicht auch gutm\u00fctige, blaue Jungenaugen, als er eintrat? Wie bewu\u00dft und bestimmt waren doch seine Bewegungen, wie kr\u00e4ftig das Erfassen des Gewehres? Der quadratische Sch\u00e4del und das starke Kieferger\u00fcst geh\u00f6rte einem ostdeutschen Junker. Wie aber pa\u00dften die Resignationslinien vom Jochbein zum Kinn in dieses regungslose Gesicht? Hatte der Krieg diesem jungen Leutnant die Furchen gegraben? Da erst sehe ich zwei Sterne auf seiner Achselklappe. Rittmeister? Mit zwanzig, h\u00f6chstens vierundzwanzig Jahren Rittmeister? Na ja \u2013 Gotha eingestiegen \u2013 Th\u00fcringer F\u00fcrstent\u00fcmer- Ordensblitzen<br>unterm Mantelkragen \u2013 ein Prinz also. Da schlugen die Augen so pl\u00f6tzlich auf, wie sie sich vorher geschlossen hatten, richteten sich auf mein Gep\u00e4cknetz und erstrahlten, als w\u00e4ren sie begl\u00fcckt worden. Der \u201ePrinz\u201c scheint Hunger zu haben, dachte ich, kannst du ihm eine Wurstschnitte anbieten? \u201eIst hier im Zug ein Speisewagen?\u201c fragte er mich. \u201eLeider nicht, aber vielleicht darf ich Ihnen ein Butterbrot anbieten, ich habe Ihren verlangenden Blick aufgefangen und schwankte eben, ob ich Sie daraufhin anreden soll.\u201c Da lachte er wie ein ausgelassener Strick, wurde rot wie ein Autor, der sich zum erstenmal gedruckt sieht, bi\u00df in meine Wurstschnitte und antwortete: Ach nee, der gilt dem Buch da. Es macht mir n\u00e4mlich so dollen Spa\u00df, da\u00df jeder Reisende so&#8217;n Dings tauft. Sehn Sie \u2013 dabei zeigte er auf die an der Bahnsperre wartenden Menschen auf dem Bahnhof Weimar \u2013 lauter ,rote Kampfflieger\u2018.\u201c Mir geht ein Licht auf, ich greife zum Buch, schlage das Titelbild auf und wei\u00df nun, da\u00df ich dem roten Kampfflieger in eigener Person, Manfred Freiherrn von Richthofen gegen\u00fcbersitze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHaben Sie das Dings da schon gelesen?\u201c fragt er mich. Ich verneine. \u201eNa, dann lassen&#8217;s man lieber, schreiben kann ich n\u00e4mlich nicht, ich kann blo\u00df fliegen und schie\u00dfen und so&#8217;n bi\u00dfchen was quasseln, wie mir der Schnabel gewachsen ist.\u201c Und so erz\u00e4hlte er mir dann mit beredten Lippen, die sich nun f\u00fcr immer geschlossen haben, von seinen Abenteuern in den L\u00fcften, bis wir in Berlin ankamen. Es w\u00fcrde ein Buch f\u00fcllen, was er davon sprach, aber dieses Buch ist von ihm selbst gef\u00fcllt, doch ich w\u00fcnschte mir die F\u00e4higkeit, eine Schilderung der knabenhaften&nbsp; Frische dieses ber\u00fchmten Draufg\u00e4ngers, der sprudelnden Mentalit\u00e4t dieses unverbildeten Naturkindes und der soldatischen Schlichtheit dieses schlesischen Edelmannes geben zu k\u00f6nnen. \u201eIch bin ja nur ein Kampfflieger,\u201c sagte er, \u201eaber Boelcke, das war ein Heros.\u201c Dabei kn\u00fcpfte er sich den Pour le m\u00e9rite unter den Waffenrock, damit die Leute ihn nicht so angassen. Seine Hand fuhr in die Hosentasche, aus der er ein Telegramm zog. Sehen Sie, ist das nicht nett vom Kaiser, da telegraphiert er mir zum sechzigsten Abschu\u00df: &#8218;Nu er holen Sie sich aber &#8217;n bi\u00dfchen. Da hat mich dann der Herzog von Koburg-Gotha zur Jagd nach Schlo\u00df Reinhardsbrunn geladen, und nun will ich mich mit Lothar (seinem ber\u00fchmten Bruder) in Berlin zum Bummeln treffen. Leider ist Moritz nicht dabei. Moritz? Das ist n\u00e4mlich meine Dogge, die mu\u00df \u00fcberall dabei sein. Ich nehme sie sogar in die L\u00fcfte mit. Kennen Sie Berlin? Ja? Famos! Dann m\u00fcssen Sie uns Berlin ein bi\u00dfchen zeigen, wir kennen es n\u00e4mlich nicht und haben auch sonst weiter keine Bekannten da. Nur einmal, da war ich beim Kaiser, aber der ist ja jetzt nicht da. Da ist mir \u00fcbrigens mal &#8217;ne nette Sache passiert: Da war ich mit einer Dame, wie jetzt mit Ihnen, zusammen gefahren und hab&#8216; sie bei der gro\u00dfen Autonot in meinen vorbestellten Wagen genommen Nat\u00fcrlich hatte ich meine Flinte, wie immer, \u00fcberm Arm, denn \u00fcber die Jagd geht doch nichts, nicht wahr? Die Dame hatte zwei S\u00f6hne als Freiwillige im Feld und machte ihre Glossen: Ja, die Herren Offiziere, die k\u00f6nnen zur Jagd gehen, meine braven Jungen aber, die m\u00fcssen im Sch\u00fctzengraben liegen. Ich antwortete: Ich gehe immerzu auf die Jagd, ich mache gar nichts anderes, Tag und Nacht. Sie erwiderte, es w\u00e4re ein Skandal, da\u00df ich mich das r\u00fchme. Damit lud ich sie an ihrem Hause aus und, eh ich abfuhr, rief ich ihr noch nach: Hoffentlich lesen Sie bald wieder von meiner Jagdbeute. Ich bin der Manfred von Richthofen. Das Gesicht h\u00e4tten Sie sehen&nbsp; sollen.\u201c Wir fuhren in Berlin, und beim Abschied fragte er mich, ob ich mich nicht um Weihnachten herum freimachen k\u00f6nnte. Er bek\u00e4me da l\u00e4ngeren Urlaub und k\u00f6nne mich dann treffen. \u201eAch nein,\u201c unterbrach er sich selbst, bestimmt versprechen kann ich ja doch nichts&#8230; Na, Sie&nbsp; wissen doch, jetzt bin ich f\u00e4llig. Die Engl\u00e4nder haben ja schon lange einen riesigen Kopfpreis auf mich ausgesetzt.\u201c Klirrend schlug er die Hacken zusammen und winkte mir nochmals aus dem Gewoge der Menschenmenge zu. F\u00fcr mich sollte es sein letzter Gru\u00df sein. Nun ist er in Walhall eingezogen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[249],"source-language":[260],"source-id-tax":[305],"class_list":["post-12676","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-testimonial-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-ein-heldenleben-1920-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Eine Begegnung. Von Emil August Glogau - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Eine Begegnung. Von Emil August Glogau. 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Da hat mich dann der Herzog von Koburg-Gotha zur Jagd nach Schlo\u00df Reinhardsbrunn geladen, und nun will ich mich mit Lothar (seinem ber\u00fchmten Bruder) in Berlin zum Bummeln treffen. Leider ist Moritz nicht dabei. Moritz? Das ist n\u00e4mlich meine Dogge, die mu\u00df \u00fcberall dabei sein. Ich nehme sie sogar in die L\u00fcfte mit. Kennen Sie Berlin? Ja? Famos! Dann m\u00fcssen Sie uns Berlin ein bi\u00dfchen zeigen, wir kennen es n\u00e4mlich nicht und haben auch sonst weiter keine Bekannten da. Nur einmal, da war ich beim Kaiser, aber der ist ja jetzt nicht da. Da ist mir \u00fcbrigens mal 'ne nette Sache passiert: Da war ich mit einer Dame, wie jetzt mit Ihnen, zusammen gefahren und hab' sie bei der gro\u00dfen Autonot in meinen vorbestellten Wagen genommen Nat\u00fcrlich hatte ich meine Flinte, wie immer, \u00fcberm Arm, denn \u00fcber die Jagd geht doch nichts, nicht wahr? 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