{"id":12490,"date":"2023-02-22T10:02:09","date_gmt":"2023-02-22T09:02:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/verwundet\/"},"modified":"2025-11-02T13:52:39","modified_gmt":"2025-11-02T12:52:39","slug":"verwundet","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/verwundet\/","title":{"rendered":"Verwundet"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein erster Blick war auf den H\u00f6henmesser. Er zeigte noch achthundert Meter an. Wo ich mich befand, ahnte ich nicht. Ichfing die Maschine wieder, brachte sie in eine normale Lage und setzte meinen Gleitflug fort. Nichts wie Granatl\u00f6cher waren unter mir. Einen gro\u00dfen Waldkomplex erkannte ich und konnte an diesem feststellen, ob ich dr\u00fcben oder bei uns war. Zu meiner gro\u00dfen Freude sah ich, da\u00df ich bereits ein ganzes St\u00fcckchen diesseits mich befand. W\u00e4re der Engl\u00e4nder mir gefolgt, er h\u00e4tte mich ohne Zucken abschie\u00dfen k\u00f6nnen. Aber Gott sei Dank befand ich mich von meinen Kameraden besch\u00fctzt, die sich mein Fallen und St\u00fcrzen anfangs gar nicht erkl\u00e4ren konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wollte anfangs gleich landen, weil ich nicht wu\u00dfte, wie weit ich es noch aushalten k\u00f6nnte, bevor ich ohnm\u00e4chtig w\u00fcrde. Deshalb ging ich bis auf f\u00fcnfzig Meter herunter, fand aber in den Vielen Granattrichtern kein Fleckchen, auf dem die M\u00f6glichkeit einer Landung war. Deshalb gab ich noch einmal Gas und flog Richtung Osten, in niedriger H\u00f6he so lange ich noch das Bewu\u00dftsein hatte. Es ging anfangs ganz gut. Nach einigen Sekunden aber merkte ich wie die Kr\u00e4fte nachlie\u00dfen und mir so sachte schwarz vor den Augen wurde. Nun war es h\u00f6chste Zeit. Ich landete und konnte die Maschine sogar noch glatt hinsetzen, nahm dabei einige Pf\u00e4hle und Telephonleitungen mit, was mir aber in diesem Augenblick ziemlich schnuppe war. Ich hatte sogar noch die Kraft, in meiner Maschine aufzustehen und wollte noch aussteigen. Dabei fiel ich heraus und hatte nun nicht mehr die Kraft aufzustehen, sondern legte mich gleich hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sofort waren einige Leute zur Stelle, die den ganzen Vorgang beobachtet hatten und die an meiner roten Maschine erkannten, da\u00df ich es war. Die Mannschaften wickelten meinen Kopf mit ihren Verbandp\u00e4ckchen ein. Was nun geschah, war mir blo\u00df noch in dunkler Erinnerung. Das Bewu\u00dftsein hatte ich nicht ganz verloren, aber ich befand mich in einem etwas d\u00f6fig benommenen Zustande. Ich wei\u00df nur noch, da\u00df ich mich ausgerechnet auf eine Distel gelegt hatte und nicht mehr die Kraft fand, von dieser Stelle mich herunterzuw\u00e4lzen, was auf die Dauer h\u00f6chst peinlich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte das Gl\u00fcck, meine Maschine neben einer Stra\u00dfe gelandet zu haben. Es dauerte nicht lange, da kam ein Sanit\u00e4tsauto gefahren, in das ich gleich verfrachtet und nun in mehrst\u00fcndiger Fahrt nach Courtrai in ein Feldlazarett geschafft wurde. Hier waren bereits die \u00c4rzte vorbereitet und begannen nun ihre Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte ein ganz anst\u00e4ndiges Loch im Kopf, eine Wunde von etwa zehn Zentimeter L\u00e4nge, die man nachher zwar zusammenziehen konnte; an einer Stelle aber blieb der blanke wei\u00dfe Knochen wie ein Taler gro\u00df frei liegen. Meinen Richthofenschen Dickkopf hatte ich wieder mal bewiesen. Der Sch\u00e4del war nicht einmal durchschlagen. Mit etwas Phantasie konnte man bei der R\u00f6ntgenaufnahme eine kleine Einbeulung feststellen. Ein Sch\u00e4delbrummen das ich tagelang nicht los wurde, war weniger angenehm. In der Heimat wurde berichtet, ich l\u00e4ge mit schwerem Kopf- und Bachschu\u00df im Lazarett, im \u00fcbrigen ginge es mir aber recht gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin neugierig, wer eher in die Kiste steigen kann, mein Bruder oder ich. Mein Bruder bef\u00fcrchtete, ich bin es, und ich bef\u00fcrchtete, mein Bruder wird es sein.\u201c<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[257],"source-language":[260],"source-id-tax":[293],"class_list":["post-12490","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-air-combat-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-der-rote-kampfflieger-von-rittmeister-manfred-freiherrn-von-richthofen-1917-351-000-400-000-verlag-ullstein-co-berlin-wien-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Verwundet - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Verwundet. An einem wunderbaren Tage (6. Juli 1917) unternahm ich mit meiner Staffel einen Jagdflug. 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Deshalb mu\u00dfte ich zu einer List greifen und flog weg; aber dauernd beobachtete ich das feindliche Geschwader. Es dauerte nicht lange, so sah ich sie wieder Richtung unserer Front fliegen.\r\n\r\nWir hatten ung\u00fcnstigen Wind, d.h. also Wind von Osten her kommend. Ich lie\u00df sie erst eine ganze Strecke hereinfliegen isn Land; dann schnitt ich ihnen den Weg zur Front ab. Es waren wieder meine lieben Freunde, die gro\u00dfen Vickers. Das ist ein englischer Flugzeugtyp mit einem Gitterrumpf; der beobachter sitzt vorn.\r\n\r\nNur langsam holten wir die schnellen Gegner ein. Wir h\u00e4tten sie wahrscheinlich nie gekriegt, wenn wir nicht die gr\u00f6225ere H\u00f6he gehabt h\u00e4tten und auf sie zu dr\u00fccken konnten. Ich hatte nach einer ganzen Weile den hintersten so nahe vor mir, da\u00df ich mir schon die Art und Weise, ihn anzugreifen, \u00fcberlegen konnte. Unter mir flog Wolff. Ich erkannte an dem Tacken des deutschen Maschinengewehrs, da\u00df er sich bereits in einen Kampf eingelassen hatte. Da drehte mein Gegner ab und nahm den Kampf mit mir auf. Aber immerhin noch auf eine so gro\u00dfe Entfernung, da\u00df man eigentlich von einem wehren Luftkampf noch nicht sprechen konnte. Ich hatte noch nicht einmal entsichert, soviel Zeit war noch, bis ich mich in den Kampf mit dem Gegner einlassen konnte. Da sah ich bereits, wie der Beobachter, wohl aus lauter Aufregung, schon scho\u00df. Ich lie\u00df ihn ruhig schie\u00dfen, denn auf eine Entfernung von dreihundert Metern und dar\u00fcber hilft selbst dem besten Sch\u00fctzen seine Schie\u00dfkunst nichts. Man trifft eben nicht! Nun hatte er ganz auf mich eingedreht, und ich hoffte, in der n\u00e4chsten Kurve hinter ihm zu sitzen und ihm was auf den Pelz brennen zu k\u00f6nnen. Da mit einem Male ein SChlag gegen meinen Kopf! Ich war getroffen! F\u00fcr einen Augenblick war ich v\u00f6llig gel\u00e4hmt am ganzen K\u00f6rper. Die H\u00e4nde hingen mir runter, die Beine baumelten in die Karosserie. Das \u00dcbelste war: durch den Schlag auf den Kopf war der Gehnerv gest\u00f6rt, und ich war v\u00f6llig erblindet. Die Maschine st\u00fcrzte ab. F\u00fcr den Augenblick durchzuckte mir den Kopf: Also so sieht es aus, wenn man abst\u00fcrzt und sich kurz vor dem Tode befindet. Ich erwartete jeden Augenblick, da\u00df die Fl\u00e4chen das St\u00fcrzen nicht aushalten und abbrechen w\u00fcrden.\r\n\r\nIch sitze allein in der Kiste. Die Besinnung hatte ich nicht f\u00fcr einen Augenblick verloren. Ich kriegte auch bald wieder die Gewalt \u00fcber meine Arme und Beine, so da\u00df ich die Steuer ergreifen konnte. Das Gas abstellen und Z\u00fcndung herausnehmen machte ich mechanisch. Aber was half's mri! Mit geschlossenen Augen kann man nicht fliegen! Ich hatte die Augen weit aufgerissen, die Brille weggeworfen, aber es war mir nicht einmal m\u00f6glich, die Sonne zu sehen. Ich war volst\u00e4ndig erblindet. Die Sekunden wurden mir zu einer Ewigkeit. Ich merkte, da\u00df ich noch immer fiel. Die Maschine hatte sich wohl ab und zu gefangen, kam aber immer wieder ins St\u00fcrzen. Ich war wohl anfangs viertausend Meter hoch gewesen und konnte jetzt schon mindestens zweitausend bis dreitausend Meter gefallen sein. Meine ganze Energie zusammennehmend; sagte ich mir immer: \"Ich mu\u00df sehen!\" Ob mir die Energie dabei geholfen hat, wei\u00df ich nicht. Jedenfalls, mit einem Male, konnte ich schwarze und wei\u00dfe Flecke vor mir unterscheiden.Immer mehr und mehr bekam ich wieder mein Augensicht. Ich guckte nach der Sonne, konnte sie frei ansehen, ohne auch nur den leisesten Schmerz zu empfinden oder das Gef\u00fchl zu haben, ich w\u00fcrde geblendet. Ich sah wie durch eine schwarze, dicke Brille. Aber es gen\u00fcgte mir.\r\n\r\nMein erster Blick war auf den H\u00f6henmesser. Er zeigte noch achthundert Meter an. Wo ich mich befand, ahnte ich nicht. Ichfing die Maschine wieder, brachte sie in eine normale Lage und setzte meinen Gleitflug fort. Nichts wie Granatl\u00f6cher waren unter mir. Einen gro\u00dfen Waldkomplex erkannte ich und konnte an diesem feststellen, ob ich dr\u00fcben oder bei uns war. Zu meiner gro\u00dfen Freude sah ich, da\u00df ich bereits ein ganzes St\u00fcckchen diesseits mich befand. W\u00e4re der Engl\u00e4nder mir gefolgt, er h\u00e4tte mich ohne Zucken abschie\u00dfen k\u00f6nnen. Aber Gott sei Dank befand ich mich von meinen Kameraden besch\u00fctzt, die sich mein Fallen und St\u00fcrzen anfangs gar nicht erkl\u00e4ren konnten.\r\n\r\nIch wollte anfangs gleich landen, weil ich nicht wu\u00dfte, wie weit ich es noch aushalten k\u00f6nnte, bevor ich ohnm\u00e4chtig w\u00fcrde. Deshalb ging ich bis auf f\u00fcnfzig Meter herunter, fand aber in den Vielen Granattrichtern kein Fleckchen, auf dem die M\u00f6glichkeit einer Landung war. Deshalb gab ich noch einmal Gas und flog Richtung Osten, in niedriger H\u00f6he so lange ich noch das Bewu\u00dftsein hatte. Es ging anfangs ganz gut. Nach einigen Sekunden aber merkte ich wie die Kr\u00e4fte nachlie\u00dfen und mir so sachte schwarz vor den Augen wurde. Nun war es h\u00f6chste Zeit. Ich landete und konnte die Maschine sogar noch glatt hinsetzen, nahm dabei einige Pf\u00e4hle und Telephonleitungen mit, was mir aber in diesem Augenblick ziemlich schnuppe war. Ich hatte sogar noch die Kraft, in meiner Maschine aufzustehen und wollte noch aussteigen. Dabei fiel ich heraus und hatte nun nicht mehr die Kraft aufzustehen, sondern legte mich gleich hin.\r\n\r\nSofort waren einige Leute zur Stelle, die den ganzen Vorgang beobachtet hatten und die an meiner roten Maschine erkannten, da\u00df ich es war. Die Mannschaften wickelten meinen Kopf mit ihren Verbandp\u00e4ckchen ein. Was nun geschah, war mir blo\u00df noch in dunkler Erinnerung. Das Bewu\u00dftsein hatte ich nicht ganz verloren, aber ich befand mich in einem etwas d\u00f6fig benommenen Zustande. Ich wei\u00df nur noch, da\u00df ich mich ausgerechnet auf eine Distel gelegt hatte und nicht mehr die Kraft fand, von dieser Stelle mich herunterzuw\u00e4lzen, was auf die Dauer h\u00f6chst peinlich war.\r\n\r\nIch hatte das Gl\u00fcck, meine Maschine neben einer Stra\u00dfe gelandet zu haben. Es dauerte nicht lange, da kam ein Sanit\u00e4tsauto gefahren, in das ich gleich verfrachtet und nun in mehrst\u00fcndiger Fahrt nach Courtrai in ein Feldlazarett geschafft wurde. Hier waren bereits die \u00c4rzte vorbereitet und begannen nun ihre Arbeit.\r\n\r\nIch hatte ein ganz anst\u00e4ndiges Loch im Kopf, eine Wunde von etwa zehn Zentimeter L\u00e4nge, die man nachher zwar zusammenziehen konnte; an einer Stelle aber blieb der blanke wei\u00dfe Knochen wie ein Taler gro\u00df frei liegen. Meinen Richthofenschen Dickkopf hatte ich wieder mal bewiesen. Der Sch\u00e4del war nicht einmal durchschlagen. Mit etwas Phantasie konnte man bei der R\u00f6ntgenaufnahme eine kleine Einbeulung feststellen. Ein Sch\u00e4delbrummen das ich tagelang nicht los wurde, war weniger angenehm. In der Heimat wurde berichtet, ich l\u00e4ge mit schwerem Kopf- und Bachschu\u00df im Lazarett, im \u00fcbrigen ginge es mir aber recht gut.\r\n\r\nIch bin neugierig, wer eher in die Kiste steigen kann, mein Bruder oder ich. 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