{"id":12424,"date":"2023-04-28T13:45:39","date_gmt":"2023-04-28T12:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/ein-tag-bei-staffel-11\/"},"modified":"2025-06-30T11:28:43","modified_gmt":"2025-06-30T10:28:43","slug":"ein-tag-bei-staffel-11","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/ein-tag-bei-staffel-11\/","title":{"rendered":"Ein Tag bei Staffel 11"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Lothar schreibt: Die Staffel war in zwei Gruppen eingeteilt, das hei\u00dft es flog immer die halbe Staffel zusammen. Mein Bruder flog als Staffelf\u00fchrer mal mit der einen, mal mit der anderen Gruppe. Meine Gruppe f\u00fchrte Sch\u00e4fer, und au\u00dfer mir flogen noch Wolff, Allmenr\u00f6der und L\u00fcbbert. Das war damals so die g\u00fcnstigste Zahl zum Zusammenfliegen. Diese ganze Gruppe hat sich dann sp\u00e4ter den Pour le m\u00e9rite verdient, nur Leutnant L\u00fcbbert fiel leider vor der Zeit. Er hatte bei seiner Feldfliegerabteilung schon die fabelhaftesten Sachen geleistet. Nur der Tod konnte unseren lieben Kameraden daran hindern, sich den Pour le m\u00e9rite zu holen. Die Gruppe hatte an dem Tag Fr\u00fchstart, das hei\u00dft wir mu\u00dften uns vom Morgengrauen an bereit halten, jeden Augenblick starten zu k\u00f6nnen; das war schon sehr zeitig, zwischen vier und f\u00fcnf Uhr. Wir sa\u00dfen, gerade aufgestanden, im Starthaus, da klingelt das Telephon: \u201eSechs Bristol von Arras nach Douai.\u201c Nun waren wir schon aufgestanden, also los. In dreitausend Metern H\u00f6he eine durchbrochene Wolkendecke. Als wir gerade starten, sehen wir die Engl\u00e4nder genau unter der&nbsp; Wolkendecke schon in der N\u00e4he unseres Flugplatzes. Der rote Vogel meines Bruders steht startbereit auf dem Platz, seine Monteure dabei. Von meinem Bruder nichts zu sehen. Wir bekamen die Engl\u00e4nder noch zu fassen, aber die Kerls flogen so geschickt in den Wolkenschichten, da\u00df keiner von uns einen abschie\u00dfen konnte. Immer wenn man hinter einem auf Schu\u00dfentfernung sa\u00df, verschwand er nach unten oder oben in den Wolken. Es war dies mein erster Luftkampf, und ich war sehr stolz, als ich mal einen vorhatte, der in meinem M.-G.-Feuer anfing zu stinken. Ich hatte ihm einen Benzintank durchschossen; aber im n\u00e4chsten Augenblick verschwand er wieder in den Wolken. Da fast s\u00e4mtliche Maschinen einen Reservetank haben, hatte er wahrscheinlich den anderen Benzintank eingeschaltet. Wenigstens flog der Kerl weiter. Ich war<br>nat\u00fcrlich sehr traurig, da\u00df er nicht &#8218;runterfiel; aber das war, wie mir nachher mein Bruder sagte, zuviel verlangt vom ersten Luftkampf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir hatten alle keinen abgeschossen und landeten etwa nach einer Stunde auf unserem Platz. Unten stand wieder der rote Vogel meines Bruders, aber man konnte schon von weitem an dem Arbeiten der Monteure und an der Lage der Maschine sehen, da\u00df er unterwegs gewesen war. Da wird uns auch gleich erz\u00e4hlt: Ja, der Herr Rittmeister war etwa f\u00fcnf Minuten nach uns gestartet. Er hatte noch im Bett gelegen, als die Meldung kam. Schnell \u00fcber den Schlafanzug die Fliegerbekleidung und los. Nach zwanzig Minuten war er zur\u00fcckgekehrt und hatte dabei einen Engl\u00e4nder diesseits abgeschossen. Als wir nun wieder zur\u00fcck. kamen, lag er im Bett und schlief bereits wieder, als ob nichts passiert sei. Nur einige Treffer in seiner Maschine und Meldungen \u00fcber das abgeschossene Flugzeug, die einliefen, zeugten von seinem Fluge. Wir sch\u00e4mten uns doch alle ein bi\u00dfchen; wir waren zu f\u00fcnfen gewesen, waren fr\u00fcher gestartet, sp\u00e4ter gelandet und hatten nichts herunterbekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir uns gegen acht Uhr zum zweiten Start versammelten, erschien mein Bruder. Er schimpfte \u00fcber die Engl\u00e4nder, diese n\u00e4chtlichen Ruhest\u00f6rer, die friedliebende Menschen mitten in der Nacht aus dem Bett trommelten. Wir gratulierten ihm herzlich, erz\u00e4hlten ihm unsere Erlebnisse, er uns seine. Er war direkt nach der Front zu gestartet. Wenige Kilometer vor der Front stie\u00df pl\u00f6tzlich ein Engl\u00e4nder durch die Wolken und setzte sich direkt vor meinen Bruder. In wenigen Sekunden war der Kampf entschieden. Brennend st\u00fcrzte der Engl\u00e4nder ab. Die Reste seines Flugzeuges fielen noch auf unserer Seite zur Erde. Durch das soeben eingenommene Fr\u00fchst\u00fcck hatten wir wieder neuen Mut gesammelt und zogen unsere Fliegerbekleidung an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jagdfliegerei tr\u00e4gt mit Recht diesen Namen, denn es ist eine richtige Jagd auf feindliche Flieger. Das Wild bat wohl seinen best\u00e4ndigen Wechsel, aber diesen benutzt es zu m\u00f6glichst unbestimmten Zeiten. Wir hatten dieses Mal Pech. Die Engl\u00e4nder sa\u00dfen wohl noch beim&nbsp; Fr\u00fchst\u00fcck. Ich hatte mir vorgenommen, immer f\u00fcnfzig Meter neben meinem Bruder zu fliegen, denn ich sagte mir, da\u00df ich auf diese Weise am ersten zu Schu\u00df kommen w\u00fcrde. Ich hielt mich auch immer dicht an ihn heran und freute mich schon, da\u00df es so gut ging. Ein einzelner englischer Infanterieflieger hatte die Front \u00fcberflogen. Ich hatte noch genug mit meiner Maschine und allem m\u00f6glichen anderen zu tun, wie das einem so die ersten Male geht, und hatte nichts von dem Engl\u00e4nder gesehen, daf\u00fcr mein Bruder aber desto mehr. Ganz pl\u00f6tzlich stellte er seine Maschine auf den Kopf, ist in ganz kurzer Zeit hinter dem Engl\u00e4nder, und in demselben Augenblick bricht das englische Flugzeug auseinander. Mit der M.-G.-Garbe war ihm die eine Tragfl\u00e4che direkt abges\u00e4gt worden. Als ob man einen Sack mit kleinen und gro\u00dfen Papierfetzen aussch\u00fcttet, so sehen die Reste des Engl\u00e4nders aus. Das Bild sah ich mir aus einer Entfernung von etwa eintausend Metern an, trotzdem ich doch so nahe an meinen Bruder hatte heranbleiben wollen. Dies war mir nicht gelungen. Wir flogen dieselben Maschinen, d. h. denselben&nbsp; Flugzeugtyp, mit demselben Motor, also mu\u00dfte es an mir liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das schnelle Fliegen mu\u00df erst richtig gelernt werden. Man kann n\u00e4mlich langsam und schnell fliegen. Man kann so langsam fliegen, da\u00df man beinahe auf einer Stelle steht; dann mu\u00df man den Motor ganz langsam laufen und die Maschine in derselben Lage lassen; dann kommt das Flugzeug allm\u00e4hlich kaum noch vorw\u00e4rts, daf\u00fcr sackt es durch, d. h. es senkt sich allm\u00e4hlich, und dadurch wird die Maschine getragen. Sehr unangenehm ist in diesem Falle, da\u00df die Steuer nicht mehr ordentlich reagieren, da ja kein Luftdruck mehr darauf ist. So eine \u00dcbung ist&nbsp; nat\u00fcrlich in niedrigen H\u00f6hen f\u00fcr Anf\u00e4nger nicht zu empfehlen. Dies ist das langsamste Fliegen. Dann kann man immer etwas schneller fliegen bis zur normalen Geschwindigkeit. Bei der normalen Geschwindigkeit steigt eine Maschine immer noch. Wenn ich nun das Flugzeug immer mehr auf den Kopf stelle mit vollaufendem Motor, so kann ich eine erhebliche Geschwindigkeit erreichen, wenn auch nicht die doppelte, so doch einen ganz erheblichen Zuwachs. Nat\u00fcrlich ist das eine sehr starke Beanspruchung von Maschine und Motor. Dies mu\u00df erst gelernt sein. Es klingt sehr leicht. Ich kenne aber viele, die das nie lernen. Ich halte dies aber f\u00fcr wichtiger als manches andere Fliegerkunstst\u00fcck, z. B. den Looping. Der Looping ist mehr etwas f\u00fcr Zuschauer. Er sieht sehr sch\u00f6n aus, hat aber f\u00fcr den Kampf keinen Wert. Der Zweck des Looping ist der, sich von Laien bewundern zu lassen, und wird meistens in der Heimat oder vor Zuschauern ge\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem so der einzige Engl\u00e4nder, der an der Front war, abgeschossen war, flogen wir nach Hause. Nach den Fl\u00fcgen unterhielt man sich naturgem\u00e4\u00df \u00fcber die soeben erlebten Luftk\u00e4mpfe. Ein sehr komisches Bild ist dabei, da\u00df derjenige, der einen Luftkampf beschreibt, mit den&nbsp; Armen herumfuchtelt; er redet mit den H\u00e4nden. Um uns etwas beizubringen, um zu sagen, was wir falsch und richtig gemacht hatten, folgte den Luftk\u00e4mpfen meist eine Besprechung. Aber auch auf andere Weise erreichte mein Bruder sein Ziel. Wie er z. B. die Staffel \u00fcbernahm,&nbsp; befanden sich dort Wolff und Allmenr\u00f6der. Die beiden hatten damals noch gar keine Erfahrung, und Anf\u00e4nger haben bei einem Luftkampf mehr Angst als Vaterlandsliebe. In den ersten Tagen flog mein Bruder mit den beiden los, griff mehrere Engl\u00e4nder an, und seine Maschine erhielt eine Unmenge Treffer, ohne selbst Erfolg zu haben, da die beiden nicht halfen. Mein Bruder kam nat\u00fcrlich dar\u00fcber ziemlich ver\u00e4rgert nach Hause, machte aber den beiden keinen Vorwurf, sondern verlor kein Wort dar\u00fcber. Wie mir Wolff und Allmenr\u00f6der, die sich ja sp\u00e4ter beide den Pour le m\u00e9rite verdienten, sagten, h\u00e4tte das mehr gewirkt als die gr\u00f6\u00dfte Standpauke. Nach der Besprechung kamen f\u00fcr meinen Bruder die Staffelf\u00fchrersorgen. Zum Mittag hatten wir einen Kriegsberichterstatter bei uns. Ich wei\u00df nicht, war Manfred mehr von seinen Kameraden oder von dem Gast als Laien bewundert. Gleich nach dem Essen wurde f\u00fcr gew\u00f6hnlich, soweit der Flugbetrieb es zulie\u00df, eine halbe Stunde Nachmittagsruhe gehalten; denn in der Hauptbetriebszeit, wie sie damals war, flogen wir manchmal f\u00fcnf- bis siebenmal am Tage. Um das&nbsp; durchhalten zu k\u00f6nnen, war Grundbedingung: essen, schlafen und keinen Tropfen Alkohol.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Abend scho\u00df mein Bruder noch einen englischen Doppelsitzer mit Gitterrumpf ab. Das Flugzeug machte noch einen normalen Gleitflug, trotzdem die Insassen schon lange durch viele Kugeln t\u00f6dlich getroffen waren. Das Flugzeug setze aber den Gleitflug in das Dach eines&nbsp; Hauses fort und zertr\u00fcmmerte vollst\u00e4ndig. Da es ganz in unserer N\u00e4he war, fuhr mein Bruder mit uns im Auto an die Absturzstelle, um Nummer des Flugzeuges und anderes festzustellen. An der Stelle angekommen, bot sich uns kein sch\u00f6ner Anblick. Die H\u00e4lfte des Flugzeuges hing noch auf dem Dach, die andere lag auf der Stra\u00dfe. Die Engl\u00e4nder hatten in der N\u00e4he Bomben geworfen, so da\u00df der Luftkampf von vielen beobachtet war, und eine Menge Feldgrauer besah sich die Tr\u00fcmmer des Engl\u00e4nders. Als wir alles festgestellt hatten, traten wir den Heimweg an. Mein Bruder war inzwischen von den Soldaten erkannt worden, und unter donnerndem Hurra verlie\u00dfen wir den Ort.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[256],"source-language":[260],"source-id-tax":[305],"class_list":["post-12424","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-anecdote-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-ein-heldenleben-1920-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ein Tag bei Staffel 11 - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Ein Tag bei Staffel 11. Die Staffel war in zwei Gruppen eingeteilt, das hei\u00dft es flog immer die halbe Staffel zusammen. 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Von meinem Bruder nichts zu sehen. Wir bekamen die Engl\u00e4nder noch zu fassen, aber die Kerls flogen so geschickt in den Wolkenschichten, da\u00df keiner von uns einen abschie\u00dfen konnte. Immer wenn man hinter einem auf Schu\u00dfentfernung sa\u00df, verschwand er nach unten oder oben in den Wolken. Es war dies mein erster Luftkampf, und ich war sehr stolz, als ich mal einen vorhatte, der in meinem M.-G.-Feuer anfing zu stinken. Ich hatte ihm einen Benzintank durchschossen; aber im n\u00e4chsten Augenblick verschwand er wieder in den Wolken. Da fast s\u00e4mtliche Maschinen einen Reservetank haben, hatte er wahrscheinlich den anderen Benzintank eingeschaltet. Wenigstens flog der Kerl weiter. Ich war\r\nnat\u00fcrlich sehr traurig, da\u00df er nicht 'runterfiel; aber das war, wie mir nachher mein Bruder sagte, zuviel verlangt vom ersten Luftkampf.\r\n\r\nWir hatten alle keinen abgeschossen und landeten etwa nach einer Stunde auf unserem Platz. Unten stand wieder der rote Vogel meines Bruders, aber man konnte schon von weitem an dem Arbeiten der Monteure und an der Lage der Maschine sehen, da\u00df er unterwegs gewesen war. Da wird uns auch gleich erz\u00e4hlt: Ja, der Herr Rittmeister war etwa f\u00fcnf Minuten nach uns gestartet. Er hatte noch im Bett gelegen, als die Meldung kam. Schnell \u00fcber den Schlafanzug die Fliegerbekleidung und los. Nach zwanzig Minuten war er zur\u00fcckgekehrt und hatte dabei einen Engl\u00e4nder diesseits abgeschossen. Als wir nun wieder zur\u00fcck. kamen, lag er im Bett und schlief bereits wieder, als ob nichts passiert sei. Nur einige Treffer in seiner Maschine und Meldungen \u00fcber das abgeschossene Flugzeug, die einliefen, zeugten von seinem Fluge. Wir sch\u00e4mten uns doch alle ein bi\u00dfchen; wir waren zu f\u00fcnfen gewesen, waren fr\u00fcher gestartet, sp\u00e4ter gelandet und hatten nichts herunterbekommen.\r\n\r\nAls wir uns gegen acht Uhr zum zweiten Start versammelten, erschien mein Bruder. Er schimpfte \u00fcber die Engl\u00e4nder, diese n\u00e4chtlichen Ruhest\u00f6rer, die friedliebende Menschen mitten in der Nacht aus dem Bett trommelten. Wir gratulierten ihm herzlich, erz\u00e4hlten ihm unsere Erlebnisse, er uns seine. Er war direkt nach der Front zu gestartet. Wenige Kilometer vor der Front stie\u00df pl\u00f6tzlich ein Engl\u00e4nder durch die Wolken und setzte sich direkt vor meinen Bruder. In wenigen Sekunden war der Kampf entschieden. Brennend st\u00fcrzte der Engl\u00e4nder ab. Die Reste seines Flugzeuges fielen noch auf unserer Seite zur Erde. Durch das soeben eingenommene Fr\u00fchst\u00fcck hatten wir wieder neuen Mut gesammelt und zogen unsere Fliegerbekleidung an.\r\n\r\nDie Jagdfliegerei tr\u00e4gt mit Recht diesen Namen, denn es ist eine richtige Jagd auf feindliche Flieger. Das Wild bat wohl seinen best\u00e4ndigen Wechsel, aber diesen benutzt es zu m\u00f6glichst unbestimmten Zeiten. Wir hatten dieses Mal Pech. Die Engl\u00e4nder sa\u00dfen wohl noch beim\u00a0 Fr\u00fchst\u00fcck. Ich hatte mir vorgenommen, immer f\u00fcnfzig Meter neben meinem Bruder zu fliegen, denn ich sagte mir, da\u00df ich auf diese Weise am ersten zu Schu\u00df kommen w\u00fcrde. Ich hielt mich auch immer dicht an ihn heran und freute mich schon, da\u00df es so gut ging. Ein einzelner englischer Infanterieflieger hatte die Front \u00fcberflogen. Ich hatte noch genug mit meiner Maschine und allem m\u00f6glichen anderen zu tun, wie das einem so die ersten Male geht, und hatte nichts von dem Engl\u00e4nder gesehen, daf\u00fcr mein Bruder aber desto mehr. Ganz pl\u00f6tzlich stellte er seine Maschine auf den Kopf, ist in ganz kurzer Zeit hinter dem Engl\u00e4nder, und in demselben Augenblick bricht das englische Flugzeug auseinander. Mit der M.-G.-Garbe war ihm die eine Tragfl\u00e4che direkt abges\u00e4gt worden. Als ob man einen Sack mit kleinen und gro\u00dfen Papierfetzen aussch\u00fcttet, so sehen die Reste des Engl\u00e4nders aus. Das Bild sah ich mir aus einer Entfernung von etwa eintausend Metern an, trotzdem ich doch so nahe an meinen Bruder hatte heranbleiben wollen. Dies war mir nicht gelungen. Wir flogen dieselben Maschinen, d. h. denselben\u00a0 Flugzeugtyp, mit demselben Motor, also mu\u00dfte es an mir liegen.\r\n\r\nDas schnelle Fliegen mu\u00df erst richtig gelernt werden. Man kann n\u00e4mlich langsam und schnell fliegen. Man kann so langsam fliegen, da\u00df man beinahe auf einer Stelle steht; dann mu\u00df man den Motor ganz langsam laufen und die Maschine in derselben Lage lassen; dann kommt das Flugzeug allm\u00e4hlich kaum noch vorw\u00e4rts, daf\u00fcr sackt es durch, d. h. es senkt sich allm\u00e4hlich, und dadurch wird die Maschine getragen. Sehr unangenehm ist in diesem Falle, da\u00df die Steuer nicht mehr ordentlich reagieren, da ja kein Luftdruck mehr darauf ist. So eine \u00dcbung ist\u00a0 nat\u00fcrlich in niedrigen H\u00f6hen f\u00fcr Anf\u00e4nger nicht zu empfehlen. Dies ist das langsamste Fliegen. Dann kann man immer etwas schneller fliegen bis zur normalen Geschwindigkeit. Bei der normalen Geschwindigkeit steigt eine Maschine immer noch. Wenn ich nun das Flugzeug immer mehr auf den Kopf stelle mit vollaufendem Motor, so kann ich eine erhebliche Geschwindigkeit erreichen, wenn auch nicht die doppelte, so doch einen ganz erheblichen Zuwachs. Nat\u00fcrlich ist das eine sehr starke Beanspruchung von Maschine und Motor. Dies mu\u00df erst gelernt sein. Es klingt sehr leicht. Ich kenne aber viele, die das nie lernen. Ich halte dies aber f\u00fcr wichtiger als manches andere Fliegerkunstst\u00fcck, z. B. den Looping. Der Looping ist mehr etwas f\u00fcr Zuschauer. Er sieht sehr sch\u00f6n aus, hat aber f\u00fcr den Kampf keinen Wert. Der Zweck des Looping ist der, sich von Laien bewundern zu lassen, und wird meistens in der Heimat oder vor Zuschauern ge\u00fcbt.\r\n\r\nNachdem so der einzige Engl\u00e4nder, der an der Front war, abgeschossen war, flogen wir nach Hause. Nach den Fl\u00fcgen unterhielt man sich naturgem\u00e4\u00df \u00fcber die soeben erlebten Luftk\u00e4mpfe. Ein sehr komisches Bild ist dabei, da\u00df derjenige, der einen Luftkampf beschreibt, mit den\u00a0 Armen herumfuchtelt; er redet mit den H\u00e4nden. Um uns etwas beizubringen, um zu sagen, was wir falsch und richtig gemacht hatten, folgte den Luftk\u00e4mpfen meist eine Besprechung. Aber auch auf andere Weise erreichte mein Bruder sein Ziel. Wie er z. B. die Staffel \u00fcbernahm,\u00a0 befanden sich dort Wolff und Allmenr\u00f6der. Die beiden hatten damals noch gar keine Erfahrung, und Anf\u00e4nger haben bei einem Luftkampf mehr Angst als Vaterlandsliebe. In den ersten Tagen flog mein Bruder mit den beiden los, griff mehrere Engl\u00e4nder an, und seine Maschine erhielt eine Unmenge Treffer, ohne selbst Erfolg zu haben, da die beiden nicht halfen. Mein Bruder kam nat\u00fcrlich dar\u00fcber ziemlich ver\u00e4rgert nach Hause, machte aber den beiden keinen Vorwurf, sondern verlor kein Wort dar\u00fcber. Wie mir Wolff und Allmenr\u00f6der, die sich ja sp\u00e4ter beide den Pour le m\u00e9rite verdienten, sagten, h\u00e4tte das mehr gewirkt als die gr\u00f6\u00dfte Standpauke. Nach der Besprechung kamen f\u00fcr meinen Bruder die Staffelf\u00fchrersorgen. Zum Mittag hatten wir einen Kriegsberichterstatter bei uns. Ich wei\u00df nicht, war Manfred mehr von seinen Kameraden oder von dem Gast als Laien bewundert. Gleich nach dem Essen wurde f\u00fcr gew\u00f6hnlich, soweit der Flugbetrieb es zulie\u00df, eine halbe Stunde Nachmittagsruhe gehalten; denn in der Hauptbetriebszeit, wie sie damals war, flogen wir manchmal f\u00fcnf- bis siebenmal am Tage. Um das\u00a0 durchhalten zu k\u00f6nnen, war Grundbedingung: essen, schlafen und keinen Tropfen Alkohol.\r\n\r\nGegen Abend scho\u00df mein Bruder noch einen englischen Doppelsitzer mit Gitterrumpf ab. Das Flugzeug machte noch einen normalen Gleitflug, trotzdem die Insassen schon lange durch viele Kugeln t\u00f6dlich getroffen waren. Das Flugzeug setze aber den Gleitflug in das Dach eines\u00a0 Hauses fort und zertr\u00fcmmerte vollst\u00e4ndig. Da es ganz in unserer N\u00e4he war, fuhr mein Bruder mit uns im Auto an die Absturzstelle, um Nummer des Flugzeuges und anderes festzustellen. An der Stelle angekommen, bot sich uns kein sch\u00f6ner Anblick. Die H\u00e4lfte des Flugzeuges hing noch auf dem Dach, die andere lag auf der Stra\u00dfe. Die Engl\u00e4nder hatten in der N\u00e4he Bomben geworfen, so da\u00df der Luftkampf von vielen beobachtet war, und eine Menge Feldgrauer besah sich die Tr\u00fcmmer des Engl\u00e4nders. Als wir alles festgestellt hatten, traten wir den Heimweg an. Mein Bruder war inzwischen von den Soldaten erkannt worden, und unter donnerndem Hurra verlie\u00dfen wir den Ort.\""},"event-type-id":{"type":"numeric","raw":"10"},"source-id":{"type":"numeric","raw":"55"},"source-long-in-event":{"type":"textfield","raw":"Ein Heldenleben, Ullstein & Co, 1920"},"pagenumber":{"type":"textfield","raw":"224"},"airplane-id":{"type":"textfield","raw":"0"},"combat-id":{"type":"textfield","raw":"0"},"event-type":{"type":"select","raw":"10"},"source-language":{"type":"select","raw":"2"},"picture":{"type":"image","raw":["https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/534.jpg","https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/535.jpg","https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/536.jpg"],"repeatable":[{"raw":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/534.jpg","attachment_id":10704},{"raw":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/535.jpg","attachment_id":10707},{"raw":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/536.jpg","attachment_id":10710}]}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event\/12424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/event"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12424"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event-type?post=12424"},{"taxonomy":"source-language","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-language?post=12424"},{"taxonomy":"source-id-tax","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-id-tax?post=12424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}