{"id":12367,"date":"2023-05-04T12:25:22","date_gmt":"2023-05-04T11:25:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/reinhard-uber-die-richthofens\/"},"modified":"2025-07-01T12:12:02","modified_gmt":"2025-07-01T11:12:02","slug":"reinhard-uber-die-richthofens","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/event\/reinhard-uber-die-richthofens\/","title":{"rendered":"Reinhard \u00fcber die Richthofens"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Der Freund Richthofens, den er selbst als seinen Nachfolger bezeichnet hatte, hat einmal \u00fcber die Richthofens folgendes geschrieben: Der Vater Richthofens hie\u00df beim Geschwader allgemein \u201eder Fliegervater\u201c und dies mit Recht. Waren doch zwei Fliegerhelden seine S\u00f6hne. Die Zahl der Luftsiege dieser beiden erreichte die stattliche H\u00f6he von einhundertundzwanzig. Ein dritter Sohn ist noch in der Kadettenanstalt Wahlstatt. Auch Vater Richthofen flog, zwar nicht \u00fcber dem Feinde, aber um seine S\u00f6hne zu besuchen, und dies nicht einmal, sondern \u00f6fter. Ein solcher Besuch war ein Ehrentag f\u00fcrs Geschwader. Als unserem Kaiser davon berichtet wurde, freute er sich sehr und sagte zu seiner Umgebung: \u201eWas, der Alte fliegt auch?\u201c Vater Richthofen hatte sich trotz seines Alters dem Staate zur Verf\u00fcgung gestellt; doch, da er schwerh\u00f6rig ist, konnte er nicht mehr in den ersten Linien mit fechten und wurde Ortskommandant. Herrlich war der Anblick, wenn Vater Richthofen, umgeben von seinen beiden S\u00f6hnen, bei uns weilte. Drei kernige Soldatengestalten! Vater Richthofen gro\u00df und breitschultrig, trotz seiner Jahre nicht&nbsp; gebeugt, ein markantes Gesicht; unser Rittmeister etwas gedrungen, aber von kr\u00e4ftiger Figur, und Lothar schlank und sehnig, eine Reitergestalt. Und wie ihr \u00c4u\u00dferes sofort den altpreu\u00dfischen Offizier kennzeichnete, so war auch ihr Charakter und Wesen durch und durch soldatisch.<br>Beide S\u00f6hne hatten eine vorbildliche Ausbildung f\u00fcr ihren Beruf erhalten. Unser Rittmeister war im Kadettenkorps Klassen\u00e4ltester gewesen, ein Beweis, da\u00df er auch schon damals unter seinesgleichen der Erste war. Vater Richthofen liebte gleich seinen S\u00f6hnen Offenherzigkeit und gerades Wesen. Nach Schlesierart war er etwas zur\u00fcckhaltend zu fremden Leuten. Er nahm besonders regen Anteil an der Fliegerei und ihren Offizieren. Niemals gebot er seinen S\u00f6hnen Halt oder predigte ihnen Vorsicht. Nur ein einziges Mal \u2013 und dies war nach dem&nbsp; f\u00fcnfundsiebzigsten Luftsieg seines \u00e4ltesten Sohnes \u2013 meinte er, nun w\u00e4re es genug, und er solle sich Zeit nehmen mit dem Abschie\u00dfen. Man k\u00f6nnte dies als ein Omen bezeichnen. Unser Rittmeister war aber der Ansicht, da\u00df er als Geschwaderkommandeur verpflichtet sei, die Herren durch sein Beispiel und Draufg\u00e4ngertum mit sich zu rei\u00dfen. Im Kasino sa\u00df unser Fliegervater im Kameradenkreise fast stundenlang und lie\u00df sich von den Luftk\u00e4mpfen erz\u00e4hlen. Er freute sich ob jedes kecken Fliegerst\u00fcckchens, und da er selbst oft von der Erde aus Augenzeuge von vielen Luftk\u00e4mpfen gewesen war, zeigte er uns gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis. Er kannte sich auch in unserer Fliegersprache aus und teilte mit uns die Freuden und Sorgen des Jagdfliegers. Besonders oft besuchte Vater Richthofen uns, als wir in Flandern lagen, denn da war er nicht weit ab von uns, und viele feierliche Gelegenheiten gaben Anla\u00df zu seinem Kommen. So der zweihundertste Luftsieg der Jasta 11. Er liebte wie seine S\u00f6hne Geselligkeit sehr. Ebenso wie wir in der Luft treue Kameradschaft hielten, taten wir es auch in unserem Kasino, und hierin war Richthofen&nbsp; unser aller Vorbild. Um Vater Richthofen eine besondere Freude zu bereiten, ernannte der Oberbefehlshaber ihn zum Ortskommandanten der in unserer N\u00e4he gelegenen gr\u00f6\u00dferen Stadt, damit er seinen S\u00f6hnen noch n\u00e4her l\u00e4ge und er sie oft besuchen k\u00f6nnte. Doch wie es das&nbsp; Schicksal will, wurden wir kurz darauf nach einem anderen Frontabschnitt verlegt, und unser Fliegervater konnte uns leider nicht folgen. Daf\u00fcr war er um so \u00f6fter gern gesehener Gast bei Staffel Boelcke, zu der sein Sohn ja auch enge Beziehungen hatte, da er in derselben seine ersten f\u00fcnfzehn Gegner abgeschossen hatte. Sein Liebling bei dieser Staffel war der Geschwaderkommandeur, Oberleutnant L\u00f6rzer. Oft baten wir unseren Fliegervater, er m\u00f6chte sich zur bleibenden Erinnerung mit uns photographieren lassen. Vater Richthofen hatte aber eine gro\u00dfe&nbsp; Abneigung gegen das Photographiertwerden; nur einmal gelang es mit List und T\u00fccke, ihn auf die Platte zu bringen. Das war, als uns Fokker in unserem Flughafen besuchte und ihn filmen wollte. Seine S\u00f6hne waren ebenso. Alle Bilder, die wir von unserem Rittmeister haben, sind nicht gestellt und fallen sicherlich durch ihre Nat\u00fcrlichkeit auf. Richthofens ha\u00dften jede \u00c4u\u00dferlichkeit. Nie waren sie auff\u00e4llig gekleidet, und nur selten sahen wir unseren Rittmeister im Schmuck aller seiner so zahlreichen Orden. Den einzigen Orden, den er gern trug, war der Pour le m\u00e9rite, die h\u00f6chste Auszeichnung f\u00fcr einen Soldaten. Einfach und schlicht war sein Auftreten, der Sohn seines Vaters. In seinem Ortsbezirk wurden unserem Fliegervater des \u00f6fteren Ovationen dargebracht, die er aber f\u00fcr seine Person ablehnte. Da\u00df wir so unseren Fliegervater sehr verehrten und in unser Herz schlossen, wird jedem einleuchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Rittmeister war ein ganzer Mann. Eine fest durchgebildete Pers\u00f6nlichkeit, jedoch auf den ersten Blick und f\u00fcr jemanden, der nur kurze Zeit mit ihm verkehrte, schwer zu verstehen. Nach Schlesierart ging er bei unbekannten Leuten nur langsam aus sich heraus. Wen er aber mal in sein Herz geschlossen hatte, f\u00fcr den ging er durchs Feuer. Es gab viele, besonders in der Fliegertruppe, die der Ansicht waren, unser Rittmeister sei stolz und unnahbar. Es mag wohl stimmen, da\u00df er sich seine Leute zuerst ansah, und zwar urteilte er nicht nach dem \u00c4u\u00dferen, sondern nur nach Taten. Er war ganz \u201eMilit\u00e4rsoldat\u201c. Ein Infanterist, der t\u00e4glich das Trommelfeuer durchhielt oder viele schwierige St\u00fcrme hinter sich hatte, galt ihm sicher genau so viel wie ein Flugzeugf\u00fchrer mit Luftsiegen. Er war zur\u00fcckhaltender Natur, und sein Inneres stand nur denen offen, die er im Lauf der Zeit als Pers\u00f6nlichkeiten sch\u00e4tzen gelernt hatte. In seinen Mu\u00dfestunden suchte er sich weiter zu bilden. Man h\u00e4tte ihn aber niemals als einen B\u00fccherwurm bezeichnen k\u00f6nnen. Unterhaltungen mit ihm waren stets anregend. Da\u00df er sich auch schriftstellerisch bet\u00e4tigt hat, zeigt sein Buch \u201eDer rote Kampfflieger\u201c, das vor allem f\u00fcr die Jugend zur Nacheiferung und als Ansporn gedacht war. Oft habe ich ihn auch eingehende milit\u00e4rische Berichte machen sehen. So hat er uns noch kurz vor seinem Tode Aufzeichnungen davon gemacht, wie er sich einen t\u00fcchtigen Jagdflieger dachte, wie er in der Luft k\u00e4mpfte im kleinen und im gro\u00dfen Verbande, kurzgefa\u00dft, was man als Jagdflieger machen und nicht machen soll. Er war eine sehr zielbewu\u00dfte Pers\u00f6nlichkeit. Was er von anderen verlangte, verlangte er in erster Linie auch von sich. Durch sein Beispiel suchte er uns mitzurei\u00dfen und uns zu t\u00fcchtigen Piloten heranzubilden. Oft war er der Erste auf dem Flugplatz, und wir kamen besch\u00e4mt nach ihm zum Start. Auch seinen Vorgesetzten gegen\u00fcber wu\u00dfte er, was er wollte. Hatte er eine Sache als richtig erkannt, so dr\u00fcckte er sie eisern durch. Er war keine einseitige Pers\u00f6nlichkeit. Er interessierte sich f\u00fcr alles, nat\u00fcrlich besonders f\u00fcr milit\u00e4rische Dinge. Er unterhielt sich gern mit Infanteristen, die soeben aus dem Sch\u00fctzengraben vom Kampf kamen, und lie\u00df sich&nbsp; erz\u00e4hlen, wie es ihnen ergangen war, und was sie von deutschen und feindlichen Flugzeugen gesehen hatten. Kam er an Artilleriebeobachtungen vorbeigefahren, so stieg er gern aus und sah sich von dort aus mit dem Glase das Schlachtfeld an. Mit Vorliebe ging er zu&nbsp; Luftschutzoffizieren, lie\u00df sich \u00fcber Luftk\u00e4mpfe eingehend berichten und sah sie sich selbst mit dem Glase an; vor allen Dingen auch w\u00e4hrend der Zeit, als er selbst nicht fliegen konnte. Auch mit den Herren von Luftschifferabteilungen unterhielt er sich gern. Sein Interesse galt nicht allein der Jagdfliegerei; er kannte auch die Sorgen und Schmerzen der Fliegerabteilungen der Infanterieflieger, Schlachtflieger, Artillerieflieger und sprach mit diesen Herren gern \u00fcber Zusammenwirken der einzelnen Flugzeuggattungen. Kurz gesagt, er war nicht Spezialist allein f\u00fcr die Jagdfliegerei, sondern er gewann dem ganzen milit\u00e4rischen Aufbau Interesse ab und war der geborene Generalst\u00e4bler. Hatte er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt, so f\u00fchrte er es auch ganz aus. Doch sah er ein, dass etwas unzweckm\u00e4\u00dfig war, so machte er schnell Schlu\u00df und hielt mit seiner Meinung nicht zur\u00fcck. Am liebsten waren ihm die Vorgesetzten, zu denen er frei heraus sprechen konnte, und die ihm ein freies Wort nicht \u00fcbel nahmen. So wie er frei heraussprach, was er dachte, liebte er es auch bei seinen Untergebenen. Er nahm diesen Herren niemals eine gegenteilige Meinungs\u00e4u\u00dferung \u00fcbel und sagte ihnen ganz offen: \u201eSo habe ich es gern.\u201c So erregte er bei dieser Art seines Charakters bei manchem Ansto\u00df; denn nicht jeder vertr\u00e4gt eine offene Meinung. So hat auch sein Buch, in dem er offen heraus sagte, was er sich dachte,<br>manches Kopfsch\u00fctteln erregt. Richthofen war klug. Hatte er erkannt, da\u00df eine Pers\u00f6nlichkeit die Wahrheit nicht vertrug, so war er solchen Menschen gegen\u00fcber verschlossen, was ihm auch manchmal falsch ausgelegt wurde. Schwatzhaftigkeit liebte er nicht. Hatte man ihm ein Geheimnis anvertraut, so konnte man auf ihn rechnen, dann war er verschwiegen wie ein Grab. Als Vorgesetzter war er auch beliebt, weil er einen mit seiner ganzen Person vertrat. Die Folge war, da\u00df wir f\u00fcr ihn durchs Feuer gingen. Da\u00df er mit seinen jungen Jahren auf den verantwortungsvollen Posten eines Geschwaderkommandeurs gestellt wurde, verlangte, da\u00df er auch als solcher auftrat. Er hat sich niemals gegen\u00fcber einem Vorgesetzten oder Untergebenen etwas vergeben. Er war eben von Jugend auf Milit\u00e4rsoldat&#8220;. Im Kameradenkreise im Kasino zeigte er sich von anderer Seite. Da war er mit der Jugend vergn\u00fcgt und f\u00fcr Scherze aufgelegt. Einen freundlichen Scherz nahm er nie \u00fcbel So stellten wir ihm eines Abends einen englischen Soldaten mit gef\u00e4lltem Bajonett in feine Bude, um ihn zu erschrecken, und darauf war seine Freude gro\u00df. Er kannte seine Pappenheimer und hatte sofort den Scherz voll heraus. Im Kasino war er unser gleichgestellter Kamerad, trank und war lustig, doch nie im Extrem. Er liebte Geselligkeit und war erfreut \u00fcber jeden Gast; nur die, die ihn ausfragen wollten, und vor allem die Reporter, liebte er nicht. Da war er in sich gekehrt und verschlossen und sprach kein Wort. Das wurde ihm oft falsch ausgelegt. Mit seinem ganzen Herzen und feiner Seele hing er an der Jasta 11. F\u00fcr sie war das Beste nur gut genug. Sein Verdienst ist es nur ganz allein, da\u00df diese Jagdstaffel die beste und erste geworden. Wenn man mich fragt, warum, so kann ich nur sagen, weil er durch sein Beispiel alle mit sich fortri\u00df. Er erz\u00e4hlte uns, wie man es machen sollte, das Luftk\u00e4mpfen, zeigte es uns in der Luft und verlangte, da\u00df wir es nachmachen sollten. Taten wir es nicht, sei es, da\u00df es uns an Nerven fehlte oder am Draufg\u00e4ngertum, das er von jedem Jagdflieger verlangte, so sprach er offen mit uns, da\u00df er sich das anders d\u00e4chte, und da\u00df es doch vern\u00fcnftiger w\u00e4re, einen anderen milit\u00e4rischen Beruf zu ergreifen. Da\u00df er den Herren seiner Jasta 11 besonders nahestand, erkl\u00e4rt sich aus der Kameradschaft in der Luft. So war unser Richthofen. Er sch\u00e4tzte seine Herren ein nach dem, was sie als Jagdflieger leisteten. Er wu\u00dfte nach den ersten Fl\u00fcgen sofort \u00fcber die einzelnen Bescheid. Sie brauchten nicht einmal in der Luft gefochten zu haben. \u201eNicht nach dem, was einer redet, sondern nach dem, was er leistet, beurteile ich ihn,\u201c sagte er. Fragte man ihn, wie er selbst als Jagdflieger angefangen h\u00e4tte, so verwies er auf seinen Lehrer, den Altmeister Boelcke, der ihm als Motto mitgab: \u201eHauptsache ist: nahe &#8218;ran an den Feind! N\u00e4chstdem kommt noch ein bi\u00dfchen Schie\u00dfen und Treffen dazu!\u201c Gerade darin war Richthofen ja unser Meister, bat er doch von Jugend auf die Jagd geliebt und war ein blendender Sch\u00fctze.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[249],"source-language":[260],"source-id-tax":[305],"class_list":["post-12367","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-testimonial-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-ein-heldenleben-1920-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Reinhard \u00fcber die Richthofens - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Reinhard \u00fcber die Richthofens. 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Und wie ihr \u00c4u\u00dferes sofort den altpreu\u00dfischen Offizier kennzeichnete, so war auch ihr Charakter und Wesen durch und durch soldatisch.\r\nBeide S\u00f6hne hatten eine vorbildliche Ausbildung f\u00fcr ihren Beruf erhalten. Unser Rittmeister war im Kadettenkorps Klassen\u00e4ltester gewesen, ein Beweis, da\u00df er auch schon damals unter seinesgleichen der Erste war. Vater Richthofen liebte gleich seinen S\u00f6hnen Offenherzigkeit und gerades Wesen. Nach Schlesierart war er etwas zur\u00fcckhaltend zu fremden Leuten. Er nahm besonders regen Anteil an der Fliegerei und ihren Offizieren. Niemals gebot er seinen S\u00f6hnen Halt oder predigte ihnen Vorsicht. Nur ein einziges Mal \u2013 und dies war nach dem\u00a0 f\u00fcnfundsiebzigsten Luftsieg seines \u00e4ltesten Sohnes \u2013 meinte er, nun w\u00e4re es genug, und er solle sich Zeit nehmen mit dem Abschie\u00dfen. Man k\u00f6nnte dies als ein Omen bezeichnen. Unser Rittmeister war aber der Ansicht, da\u00df er als Geschwaderkommandeur verpflichtet sei, die Herren durch sein Beispiel und Draufg\u00e4ngertum mit sich zu rei\u00dfen. Im Kasino sa\u00df unser Fliegervater im Kameradenkreise fast stundenlang und lie\u00df sich von den Luftk\u00e4mpfen erz\u00e4hlen. Er freute sich ob jedes kecken Fliegerst\u00fcckchens, und da er selbst oft von der Erde aus Augenzeuge von vielen Luftk\u00e4mpfen gewesen war, zeigte er uns gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis. Er kannte sich auch in unserer Fliegersprache aus und teilte mit uns die Freuden und Sorgen des Jagdfliegers. Besonders oft besuchte Vater Richthofen uns, als wir in Flandern lagen, denn da war er nicht weit ab von uns, und viele feierliche Gelegenheiten gaben Anla\u00df zu seinem Kommen. So der zweihundertste Luftsieg der Jasta 11. Er liebte wie seine S\u00f6hne Geselligkeit sehr. Ebenso wie wir in der Luft treue Kameradschaft hielten, taten wir es auch in unserem Kasino, und hierin war Richthofen\u00a0 unser aller Vorbild. Um Vater Richthofen eine besondere Freude zu bereiten, ernannte der Oberbefehlshaber ihn zum Ortskommandanten der in unserer N\u00e4he gelegenen gr\u00f6\u00dferen Stadt, damit er seinen S\u00f6hnen noch n\u00e4her l\u00e4ge und er sie oft besuchen k\u00f6nnte. Doch wie es das\u00a0 Schicksal will, wurden wir kurz darauf nach einem anderen Frontabschnitt verlegt, und unser Fliegervater konnte uns leider nicht folgen. Daf\u00fcr war er um so \u00f6fter gern gesehener Gast bei Staffel Boelcke, zu der sein Sohn ja auch enge Beziehungen hatte, da er in derselben seine ersten f\u00fcnfzehn Gegner abgeschossen hatte. Sein Liebling bei dieser Staffel war der Geschwaderkommandeur, Oberleutnant L\u00f6rzer. Oft baten wir unseren Fliegervater, er m\u00f6chte sich zur bleibenden Erinnerung mit uns photographieren lassen. Vater Richthofen hatte aber eine gro\u00dfe\u00a0 Abneigung gegen das Photographiertwerden; nur einmal gelang es mit List und T\u00fccke, ihn auf die Platte zu bringen. Das war, als uns Fokker in unserem Flughafen besuchte und ihn filmen wollte. Seine S\u00f6hne waren ebenso. Alle Bilder, die wir von unserem Rittmeister haben, sind nicht gestellt und fallen sicherlich durch ihre Nat\u00fcrlichkeit auf. Richthofens ha\u00dften jede \u00c4u\u00dferlichkeit. Nie waren sie auff\u00e4llig gekleidet, und nur selten sahen wir unseren Rittmeister im Schmuck aller seiner so zahlreichen Orden. Den einzigen Orden, den er gern trug, war der Pour le m\u00e9rite, die h\u00f6chste Auszeichnung f\u00fcr einen Soldaten. Einfach und schlicht war sein Auftreten, der Sohn seines Vaters. In seinem Ortsbezirk wurden unserem Fliegervater des \u00f6fteren Ovationen dargebracht, die er aber f\u00fcr seine Person ablehnte. Da\u00df wir so unseren Fliegervater sehr verehrten und in unser Herz schlossen, wird jedem einleuchten.\r\n\r\nUnser Rittmeister war ein ganzer Mann. Eine fest durchgebildete Pers\u00f6nlichkeit, jedoch auf den ersten Blick und f\u00fcr jemanden, der nur kurze Zeit mit ihm verkehrte, schwer zu verstehen. Nach Schlesierart ging er bei unbekannten Leuten nur langsam aus sich heraus. Wen er aber mal in sein Herz geschlossen hatte, f\u00fcr den ging er durchs Feuer. Es gab viele, besonders in der Fliegertruppe, die der Ansicht waren, unser Rittmeister sei stolz und unnahbar. Es mag wohl stimmen, da\u00df er sich seine Leute zuerst ansah, und zwar urteilte er nicht nach dem \u00c4u\u00dferen, sondern nur nach Taten. Er war ganz \u201eMilit\u00e4rsoldat\u201c. Ein Infanterist, der t\u00e4glich das Trommelfeuer durchhielt oder viele schwierige St\u00fcrme hinter sich hatte, galt ihm sicher genau so viel wie ein Flugzeugf\u00fchrer mit Luftsiegen. Er war zur\u00fcckhaltender Natur, und sein Inneres stand nur denen offen, die er im Lauf der Zeit als Pers\u00f6nlichkeiten sch\u00e4tzen gelernt hatte. In seinen Mu\u00dfestunden suchte er sich weiter zu bilden. Man h\u00e4tte ihn aber niemals als einen B\u00fccherwurm bezeichnen k\u00f6nnen. Unterhaltungen mit ihm waren stets anregend. Da\u00df er sich auch schriftstellerisch bet\u00e4tigt hat, zeigt sein Buch \u201eDer rote Kampfflieger\u201c, das vor allem f\u00fcr die Jugend zur Nacheiferung und als Ansporn gedacht war. Oft habe ich ihn auch eingehende milit\u00e4rische Berichte machen sehen. So hat er uns noch kurz vor seinem Tode Aufzeichnungen davon gemacht, wie er sich einen t\u00fcchtigen Jagdflieger dachte, wie er in der Luft k\u00e4mpfte im kleinen und im gro\u00dfen Verbande, kurzgefa\u00dft, was man als Jagdflieger machen und nicht machen soll. Er war eine sehr zielbewu\u00dfte Pers\u00f6nlichkeit. Was er von anderen verlangte, verlangte er in erster Linie auch von sich. Durch sein Beispiel suchte er uns mitzurei\u00dfen und uns zu t\u00fcchtigen Piloten heranzubilden. Oft war er der Erste auf dem Flugplatz, und wir kamen besch\u00e4mt nach ihm zum Start. Auch seinen Vorgesetzten gegen\u00fcber wu\u00dfte er, was er wollte. Hatte er eine Sache als richtig erkannt, so dr\u00fcckte er sie eisern durch. Er war keine einseitige Pers\u00f6nlichkeit. Er interessierte sich f\u00fcr alles, nat\u00fcrlich besonders f\u00fcr milit\u00e4rische Dinge. Er unterhielt sich gern mit Infanteristen, die soeben aus dem Sch\u00fctzengraben vom Kampf kamen, und lie\u00df sich\u00a0 erz\u00e4hlen, wie es ihnen ergangen war, und was sie von deutschen und feindlichen Flugzeugen gesehen hatten. Kam er an Artilleriebeobachtungen vorbeigefahren, so stieg er gern aus und sah sich von dort aus mit dem Glase das Schlachtfeld an. Mit Vorliebe ging er zu\u00a0 Luftschutzoffizieren, lie\u00df sich \u00fcber Luftk\u00e4mpfe eingehend berichten und sah sie sich selbst mit dem Glase an; vor allen Dingen auch w\u00e4hrend der Zeit, als er selbst nicht fliegen konnte. Auch mit den Herren von Luftschifferabteilungen unterhielt er sich gern. Sein Interesse galt nicht allein der Jagdfliegerei; er kannte auch die Sorgen und Schmerzen der Fliegerabteilungen der Infanterieflieger, Schlachtflieger, Artillerieflieger und sprach mit diesen Herren gern \u00fcber Zusammenwirken der einzelnen Flugzeuggattungen. Kurz gesagt, er war nicht Spezialist allein f\u00fcr die Jagdfliegerei, sondern er gewann dem ganzen milit\u00e4rischen Aufbau Interesse ab und war der geborene Generalst\u00e4bler. Hatte er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt, so f\u00fchrte er es auch ganz aus. Doch sah er ein, dass etwas unzweckm\u00e4\u00dfig war, so machte er schnell Schlu\u00df und hielt mit seiner Meinung nicht zur\u00fcck. Am liebsten waren ihm die Vorgesetzten, zu denen er frei heraus sprechen konnte, und die ihm ein freies Wort nicht \u00fcbel nahmen. So wie er frei heraussprach, was er dachte, liebte er es auch bei seinen Untergebenen. Er nahm diesen Herren niemals eine gegenteilige Meinungs\u00e4u\u00dferung \u00fcbel und sagte ihnen ganz offen: \u201eSo habe ich es gern.\u201c So erregte er bei dieser Art seines Charakters bei manchem Ansto\u00df; denn nicht jeder vertr\u00e4gt eine offene Meinung. So hat auch sein Buch, in dem er offen heraus sagte, was er sich dachte,\r\nmanches Kopfsch\u00fctteln erregt. Richthofen war klug. Hatte er erkannt, da\u00df eine Pers\u00f6nlichkeit die Wahrheit nicht vertrug, so war er solchen Menschen gegen\u00fcber verschlossen, was ihm auch manchmal falsch ausgelegt wurde. Schwatzhaftigkeit liebte er nicht. Hatte man ihm ein Geheimnis anvertraut, so konnte man auf ihn rechnen, dann war er verschwiegen wie ein Grab. Als Vorgesetzter war er auch beliebt, weil er einen mit seiner ganzen Person vertrat. Die Folge war, da\u00df wir f\u00fcr ihn durchs Feuer gingen. Da\u00df er mit seinen jungen Jahren auf den verantwortungsvollen Posten eines Geschwaderkommandeurs gestellt wurde, verlangte, da\u00df er auch als solcher auftrat. Er hat sich niemals gegen\u00fcber einem Vorgesetzten oder Untergebenen etwas vergeben. Er war eben von Jugend auf Milit\u00e4rsoldat\". Im Kameradenkreise im Kasino zeigte er sich von anderer Seite. Da war er mit der Jugend vergn\u00fcgt und f\u00fcr Scherze aufgelegt. Einen freundlichen Scherz nahm er nie \u00fcbel So stellten wir ihm eines Abends einen englischen Soldaten mit gef\u00e4lltem Bajonett in feine Bude, um ihn zu erschrecken, und darauf war seine Freude gro\u00df. Er kannte seine Pappenheimer und hatte sofort den Scherz voll heraus. Im Kasino war er unser gleichgestellter Kamerad, trank und war lustig, doch nie im Extrem. Er liebte Geselligkeit und war erfreut \u00fcber jeden Gast; nur die, die ihn ausfragen wollten, und vor allem die Reporter, liebte er nicht. Da war er in sich gekehrt und verschlossen und sprach kein Wort. Das wurde ihm oft falsch ausgelegt. Mit seinem ganzen Herzen und feiner Seele hing er an der Jasta 11. F\u00fcr sie war das Beste nur gut genug. Sein Verdienst ist es nur ganz allein, da\u00df diese Jagdstaffel die beste und erste geworden. Wenn man mich fragt, warum, so kann ich nur sagen, weil er durch sein Beispiel alle mit sich fortri\u00df. Er erz\u00e4hlte uns, wie man es machen sollte, das Luftk\u00e4mpfen, zeigte es uns in der Luft und verlangte, da\u00df wir es nachmachen sollten. Taten wir es nicht, sei es, da\u00df es uns an Nerven fehlte oder am Draufg\u00e4ngertum, das er von jedem Jagdflieger verlangte, so sprach er offen mit uns, da\u00df er sich das anders d\u00e4chte, und da\u00df es doch vern\u00fcnftiger w\u00e4re, einen anderen milit\u00e4rischen Beruf zu ergreifen. Da\u00df er den Herren seiner Jasta 11 besonders nahestand, erkl\u00e4rt sich aus der Kameradschaft in der Luft. So war unser Richthofen. Er sch\u00e4tzte seine Herren ein nach dem, was sie als Jagdflieger leisteten. Er wu\u00dfte nach den ersten Fl\u00fcgen sofort \u00fcber die einzelnen Bescheid. Sie brauchten nicht einmal in der Luft gefochten zu haben. \u201eNicht nach dem, was einer redet, sondern nach dem, was er leistet, beurteile ich ihn,\u201c sagte er. Fragte man ihn, wie er selbst als Jagdflieger angefangen h\u00e4tte, so verwies er auf seinen Lehrer, den Altmeister Boelcke, der ihm als Motto mitgab: \u201eHauptsache ist: nahe 'ran an den Feind! N\u00e4chstdem kommt noch ein bi\u00dfchen Schie\u00dfen und Treffen dazu!\u201c Gerade darin war Richthofen ja unser Meister, bat er doch von Jugend auf die Jagd geliebt und war ein blendender Sch\u00fctze.\""},"event-type-id":{"type":"numeric","raw":"6"},"source-id":{"type":"numeric","raw":"55"},"source-long-in-event":{"type":"textfield","raw":"Ein Heldenleben, Ullstein & Co, 1920"},"pagenumber":{"type":"textfield","raw":"316"},"airplane-id":{"type":"textfield","raw":"0"},"combat-id":{"type":"textfield","raw":"0"},"event-type":{"type":"select","raw":"6"},"source-language":{"type":"select","raw":"2"},"picture":{"type":"image","raw":[""],"repeatable":[{"raw":""}]}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event\/12367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/event"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event-type?post=12367"},{"taxonomy":"source-language","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-language?post=12367"},{"taxonomy":"source-id-tax","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-id-tax?post=12367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}